Teegärten in Europa, Teil 3: Die Azoren

Die politisch zu Portugal gehörenden Azoren liegen rund 1400 km entfernt vom Heimatland, weit abseits “irgendwo” im Atlantik. Diese zumindest früher vorhandene Isolation gab ihnen auch den Zweitnamen “die vergessenen Inseln”. die Inselgruppe besteht aus neun grösseren Inseln, von denen ausser einer (Santa Maria) alle vulkanischen Ursprungs sind. Sao Miguel ist die Hauptinsel, und nur auf ihr wird Tee angebaut.

Lage und Klima

Die Lage der Azoren, Sao Miguel:

Die Temperatur übersteigt im Sommer selten 25°C, im Winter bleibt es mit mindestens 10°C immer frostfrei. Zudem regnet es relativ häufig. Es herrschen also gute Bedingungen für den Anbau von Tee, die durch die vulkanischen, mineralstoffreichen Böden ergänzt werden.

Teeanbau auf den Azoren

Über den Beginn des Teeanbaus auf den vergessenen Inseln gibt es unterschiedliche Berichte. Einige schreiben von den 1750er Jahren, andere von den 1800 Jahren. Gemeinsam ist den Angaben, dass nur sehr geringe Mengen Tee geerntet wurden, die aus kommerzieller sicht keine nennenswerte Rolle spielten. Dokumentiert und somit nachweisbar ist, dass 1820 Teesamen vom Portugiesen “Jacinto Leite” eingeführt, und im Bereich der Nordüste auf Sao Miguel angepflanzt wurden.

Ab den 1870er Jahren wurde dann Ersatz für die häufig von Pilzbefall heimgesuchten Orangenanbäume gesucht, und der Teeanbau wurde systematisch gefördert. Zwei aus der damaligen portugisischen Kolonie Macao stammende Chinesen halfen bei Anbau, Ernte und Weiterverarbeitung, und waren somit daran beteiligt, einen gewerblichen Teeanbau aufzubauen.

In der Blüte des Teeanbaus gab es eine Vielzahl von Betrieben die Tee produzierten, und lange Zeit war der Teeanbau die Haupteinnahmequelle auf den Azoren. Im Jahr 1960 wurden rund 300 Tonnen Tee produziert. Im laufe der Zeit kam jedoch immer mehr Tee aus der damaligen portugisischen Kolonie Mosambik zollfrei auf den portugisieschen Markt, und so kam der Teeanbau langsam fast völlig zum Erliegen, bis “Cha Gorreana” als letzter Betrieb übrig blieb.

Der zweite, wieder eröffnete Teegarten ist “Cha Porto Formoso”. Beide Estates liegen nur wenige Kilometer auseinander. Der grösste Teil des auf den Azoren erzeugten Tees wird auch dort getrunken (~80%), der Rest geht nach Nordamerika (Auswanderergemeinden), Deutschland und Österreich. Auf dem portugiesischen Festland findet man Tee von den Azoren nur noch vereinzelt. Lipton ist hier mittlerweile einer der wichtigsten Anbieter geworden.

Cha Gorreana

Der Teegarten existiert seit 1883, und der heutige Besitzer Hermano Mota und seine Familie führen den Teegarten in der 5. Generation. Aber auch wenn Herr Mota fast immer zuerst genannt wird: Es ist seine Frau Margarida Hintze-Mota und deren Familie, die in der fünften Generation auf Cha Gorreana tätig sind. Ihre Mutter Bertha Meireles-Hintze, die den Teegarten lange leitete, und sie sind die Nachfahren der Firmengründerin Hermelinda Hintze, Tochter einer Azoreanerin und eines Deutschen. Herr Mota ist in diese Familie eingeheiratet.

Pro Jahr werden rund 40 Tonnen Schwarz-, aber auch Grüntee produziert. Auf chemische Pflanzenschutzmittel wird nach Angaben des Estates verzichtet, allerdings handelt es sich nicht um rein biologisch angebauten Tee, da Kunstdünger von Zeit zu Zeit eingesetzt wird.

Nach der Ernte erfolgt die Weiterverarbeitung zu Schwarztee nach der orthodoxen Produktionsmethode mit Hilfe von sehr alten Maschinen. Man fühlt sich unwillkürlich ein wenig wie in einem Teemuseum. Abgepackt wird der verkaufsfertige Tee anschliessend von Hand. Der Teegarten ist für die Menschen der Nachbarschaft ein wichtiger Arbeitgeber. Dass der Charme der altmodischen Produktion zudem Touristen anzieht dürfte sicher auch eine Rolle spielen.

Gorreana bietet verschiedene Qualitätsstufen an, die beim Schwarztee wie folgt aussehen:

-Orange Pekoe = oberstes Blatt
-Pekoe = zweites Blatt
-Broken Leaf = drittes blatt
-Moinha = Teebruch


Beim Grüntee gibt es zwei Qualitätsstufen:


-Encosta de Bruma = oberstes Blatt
-Hysson = Mix aus den drei obersten Blättern

Cha Gorreana kann besichtigt werden.

Die Homepage des Teegartens

Cha Porto Formoso

Der zweite, wesentlich kleinere und eher auf touristische Besuche ausgelegte Teegarten, ist “Cha Porto Formoso”. Er wurde zunächst 1980 geschlossen, aber ab 1998 begannen die neuen Besitzer mit dem Wiederaufbau. Die EU unterstützt finanziell die Teeproduktion auf Cha Porto Formoso, und seit dem Jahr 2000 wird wieder Tee hergestellt. Mit rund 4t pro Jahr ist die Menge aber recht gering, und wird nur auf den Azoren verkauft.

Es wird ausschliesslich Schwarztee produziert in den schon von Cha Gorreana her bekannten Qualitätsstufen.

Auch Porto Formoso kann besichtigt werden.

Die Azoren sind interessant, und die dort produzierten Tees besitzen einen gewissen Kultstatus. Insbesondere die Schwarztees sind für Teeliebhaber empfehlenswert. Mittlerweile wird auch in einem kleinen Teegarten auf dem portugiesischen Festland Tee angebaut.

Teegärten in Europa:
Teil 1: Schweiz, Monte Verita
Teil 2: England, Tregothnan
Teil 3: Portugal, Azoren

 

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