Teegärten in Europa, Teil 1: Schweiz, Monte Verità

Anbaugebiete in Europa

Tee/Camellia sinensis ist eine Pflanze der feucht-warmen Tropen und Subtropen. Wenn man in Deutschland lebt, kann man daher zwar jede Menge Tees kaufen, Teegärten sind aber nur weit entfernt in China, Indien oder "Ceylon" zu finden - so denkt man zumindest. Es existieren aber auch in Europa einige kleinere Anbaugebiete:

1. in der Schweiz
2. in Südengland
3. auf den Azoren

Dazu kommen noch Projekte von Hobbygärtnern, die Teesträucher ähnlich wie Kamelien in Deutschland pflegen.

Update: Mittlerweile gibt es eine Reihe weiterer kleinerer Teegärten in Europa, zum Beispiel in Schottland, Spanien, Frankreich und auf dem portugiesischen Festland bei Porto. Zudem gibt es in Deutschland den Teegarten Tschanara bei Köln. Ein Interview mit den Betreibern Wolfgang Bucher und Haeng ok Kim kann man hier lesen: Deutschlands einzigartiger Teegarten: Tschanara

Das Anbaugebiet in der Schweiz, um das es in diesem Artikel geht, liegt auf dem Monte Verità. Da dieser Berg eine sehr interessante Geschichte hat, wird auch die nähere Vergangenheit kurz vorgestellt.

Der Monte Verita

monte verita, casa del tè
Monte Verita, Casa Del Tè

Lage und Klima:

Der Hügel liegt westlich von Ascona, nah dem Lago Maggiore, auf der Alpensüdseite der Schweiz, wo in den tiefer gelegenen Gebieten annähernd Mittelmeeklima herrscht. Ascona ist die tiefstgelegene Stadt der Schweiz, und die beiden rund 3 km entfernt im Lago Maggiore gelegenen Brissago-Inseln, haben das mildeste, fast immer frostfreie Klima der Schweiz. Im botanischen Garten auf der Hauptinsel "Grande Isola" begann Oppliger 2003 auch mit dem Anbau von Teepflanzen im kleinen Maßstab.

Durch seine wintermilde Lage ist der Monte Verità für den Teeanbau geeignet, was man nicht unbedingt spontan gedacht hätte.

Die jüngere Geschichte des Bergs vor dem Teeanbau:

Der Berg hiess ursprünglich Monte Monescia. Nach seinem Kauf durch den Fabrikantensohn Henri Oedenkoven (1875-1935) und seiner späteren Frau Ida Hofmann (1864-1926) im Jahre 1900, wurde er in Monte Verità umbenannt, was “Berg der Wahrheit” bedeutet. Es entwickelte sich eine Kolonie der damaligen Subkultur, die Ähnlichkeiten mit der Hippiebewegung der 1960er und 70er Jahre hatte. Künstler, Aussteiger, Weltverbesserer, Vegetarier, Anarchisten und viele andere, nonkonformistische Menschen, führten dort zeitweise ihr ungewöhnliches Leben. In Ascona wurde er damals auch “Berg der Narren” genannt.

Auch viele Prominente der damaligen Zeit fanden ihren Weg auf den den Berg der Wahrheit, u.a. Hermann Hesse.

Gegenwart:

Im Jahr 2006 gründete der Drogist und Spezialist für Naturheilkunde Peter Oppliger (Jg. 1940) im speziellen Mikroklima des Monte Verità einen Teegarten mit rund 1.000 Pflanzen. Die Ernte und Weiterverarbeitung des Tees übernehmen jedes Frühjahr aus Japan angereiste Spezialisten. Peter Oppliger arbeitet eng mit dem japanischen Teeproduzenten HAMASAEN aus Shizuoka zusammen. Angegliedert an den Teegarten ist das “Casa Del Tè" (Haus des Tees) mit Teeraum und dem “Laboratorio”, wo die geernteten Teeblätter weiterverarbeitet werden.

Update: Peter Oppliger hat sich mittlerweile zur Ruhe gesetzt. Das Casa Del Tè mit dem anliegenden Teegarten wurde 2016 von den Berner Teehändlern Katrin und Gerhard Lange übernommen.

teegarten
Teegarten mit jungen Pflanzen

In wie weit das alles wirklich authentische Teeproduktion ist, kann man von hier aus schlecht beurteilen. Mit 1.000 Testräuchern geht der Teegarten aber sicher weit über ein Hobbyprojekt hinaus! Zudem ist der Monte Verita ein Touristenmagnet.

teegarten
Teegarten mit älteren Pflanzen

Er ist aber sicher nicht, wie teilweise behauptet, der nördlichste Teegarten Europas. Tschanara bei Köln und Tregothnan in England liegen nördlicher, und wenn es in Schottland wirklich authentischen Teeanbau gibt, läge der Teegarten dort noch weiter nördlich.

zengarten vor dem casa del tè
Zengarten vor dem Casa Del Tè

Vielen Dank an Elke Salzer für die Fotos vom Monte Verità!

Teegärten in Europa:
Teil 1: Schweiz, Monte Verita
Teil 2: England, Tregothnan
Teil 3: Portugal, Azoren

 

hund00021