Tee und Bier

Tee und Bier, diese Kombination erscheint aus heutiger Sicht recht ungewöhnlich, gerade wenn man in Deutschland lebt. Gemäss dem deutschen Reinheitsgebot, das sich auf die bayerische Landesordnung von 1516 bezieht, darf zum Brauen von Bier nur

-Wasser

-Malz

-Hopfen

-Hefe

verwendet werden.

Diese Verordnung machte zum Ende des Mittelalters durchaus Sinn, denn es wurden allerlei sonstige Zutaten an Stelle des Hopfens verwendet.

Grutbier

Bekannt sind beispielsweise die Grutbiere, die mit veränderlichen Kräutermischungen gewürzt wurden. Ein häufiger Bestandteil dieser Mixturen war der leicht giftige und zudem berauschende Sumpfporst, der die Wirkung des Alkohols verstärkte

Auch andere berauschende, zudem stark giftige Pflanzen fanden Verwendung, wie zum Beispiel Bilsenkraut, Tollkirsche und Stechapfel.

Nur noch die Verwendung von Hopfen (neben Wasser, Malz und Hefe) zur Bierherstellung zu erlauben, war also sinnvoll. Der Alkohol alleine hat bereits mehr als genug negative Auswirkungen, die nicht noch durch stärkste Drogen und Gifte potenziert werden mussten.

Zudem hat Hopfen konservierende Eigenschaften, macht das Bier haltbarer, wodurch es besser gelagert und transportiert werden kann.

Grutbier - Quelle: Wikipedia / Bernt Rostad

Fruchtbier / Gagelbier / Hanfbier

Allerdings muss nicht jede weitere Zutat zum Bier automatisch eine schlechte sein. Gute Beispiele sind die belgischen Fruchtbiere (Fruchtlambic) denen Sauerkirschen (= Kriek) oder Himbeeren (= Framboise) zugesetzt werden. Das Obst wird durch eine Zweitgärung in Alkohol umgewandelt, und gibt dem Bier eine angenehme Fruchtnote.

Auch Gagel (Myrica gale) ist als Ersatz für Hopfen seit Jahrhunderten im Einsatz. Der Strauch wird nach neueren Forschungen als gesundheitlich wertvoll eingestuft. 

Gagel

Hanfbier erfreut sich zudem seit einigen Jahren wieder steigender Beliebtheit. Verwendet werden THC arme, nicht berauschende Hanfsorten. Der Zusatz hat also nur geschmackliche Gründe.

Ein Bier mit Tee und Hopfen herzustellen ist also keine abwegige Idee, zumindest nicht für die so genannten “Craft Breweries”, die sie seit einigen Jahren in den USA, aber auch in Deutschland, vermehrt entstehen. Diese handwerklich arbeitenden Kleinbrauereien produzieren abseits vom industriellen Mainstream Nischenprodukte für Liebhaber, so auch Bier mit japanischem Grüntee (Sencha).

Japanese Green Tea IPA

Für das japanese Green Tea IPA haben sich drei Brauereien zusammengeschlossen:

-Stone in den USA
-Baird in Japan
-Ishii in Guam.

Als Basis dient ein IPA, oder indian pale ale. Es handelt sich bei dieser Sorte um ein obergäriges, intensiv gehopftes Starkbier, das ursprünglich im 19. Jahrhundert in England für die Soldaten in den Kolonien gebraut wurde. Der hohe Anteil an Alkohol und Hopfen machte es haltbar für den langen Transport per Segelschiff. Vor Ort sollte es dann eigentlich 50:50 mit Wasser auf “Trinkstärke” verdünnt werden. Allerdings wird kaum je ein Brite sein Bier mit Wasser verdünnen...

Diesem Biertyp wird nun von den Brauereien noch Sencha zugegeben:

Die Stone Brauerei beschreibt Aroma und Geschmack wie folgt:

Aroma
A complex blend of herbal tea and hops; elements from both ingredients are there. The up-front aroma is mostly green tea, and there are also strong elements of peach, apricot and mango from the hops.

Taste
There is a massive hop presence in both the flavor and bitterness. The hops start off as tropical fruits like mango and pineapple, and then are followed by hints of dill from the Sorachi Ace. The tea flavors assert themselves mid-palate and linger nicely with a dry character.

Wo kann man dieses Bier kaufen? Bisher noch nirgendwo in Deutschland. Im Zuge der Craft-Beer-Bewegung ist es aber nur eine Frage der Zeit, wann dieses oder ein ähnlich hergestelltes IPA auch hier erhältlich ist.

Ein Bier, das für Teetrinker interessant ist...

 

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