Tee, Teekultur und Teeanbau in Aserbaidschan

Aserbaidschan ist ein Binnenstaat in der Kaukasusregion an der Schnittstelle zwischen Europa und Asien.

Das Land wird durch das Kaspische Meer (den grössten See der Erde), Russland, Georgien, Armenien und den Iran begrenzt.

Aserbaidschan hat eine sehr alte Schwarzteetradition, die möglicherweise bereits seit über 3.000 Jahren besteht. Seit den 1930er Jahren wird um die Stadt Lankaran am Kaspischen Meer (blau gekennzeichnet auf der Karte) zudem landeseigener Tee in nennenswerter Menge angebaut und weiterverarbeitet.

Die aserbaidschanische Teekultur

Der Tee wird in im Samowar zubereitet und heiß und kräftig getrunken. Er wird meist, ähnlich wie in der Türkei, in tulpen- oder birnenförmigen Gläsern serviert. In Teehäusern, oder wenn Gäste anwesend sind, wird Tee kontinuierlich nachgeschenkt.

Tee mit Milch zu trinken ist nicht üblich, allerdings wird Würfelzucker angeboten, und in der Regel auch benutzt. Bei einer traditionellen aserbaidschanischen Teezeremonie werden Zitronenscheiben, Süßigkeiten und gekochte und gesüsste Früchte serviert. Teilweise wird der Tee mit Thymian, Minze, Zimt, Kardamom, Stenanis, Nelken und anderen Heilpflanzen und Gewürzen verfeinert. Diesen Zutaten wird nachgesagt, dass sie eine positive Wirkung auf die Gesundheit haben, was durchaus plausibel ist.

Aserbaidschaner geniessen ihren Tee gerne in traditionellen Teehäusern, den sogenannten Chaykhana. Die Männer (Frauen sind nach wie vor selten anzutreffen) spielen hier Backgammon, lesen Zeitungen, rauchen und unterhalten sich.

Teehaus in Aserbaidschan - historische Postkarte - im Hintergrund der riesige Samowar

In Aserbaidschan wird das Teetrinken mit Wärme und Behaglichkeit assoziiert, und die Tradition der Gastfreundschaft besagt, dass man dem Besuch Tee anbietet.

Ehen werden in Aserbaidschan traditionell arrangiert, und während der Heiratsvermittlungen wird natürlich auch Tee serviert. Wenn nach Beendigung der Eheverhandlungen Tee ohne Zucker serviert wird, ist das ein Zeichen dafür, dass die Chancen für eine Ehe sehr gering sind. Umgekehrt, wenn Tee also mit Zucker serviert wird, war die Eheanbahnung erfolgreich, und es wird bald eine Hochzeit geben.

Teeanbau in Aserbaidschan

Der Teeanbau wurde vermutlich (ähnlich wie in der Türkei) aus dem Nachbarland Georgien übernommen, wo bereits ab etwa 1860 Tee in grösserem Umfang angebaut wurde. In Aserbaidschan wurden die ersten Teebüsche 1912 gepflanzt, jedoch kann man erst ab den 1930 Jahren von kommerzellem Teeanbau sprechen. 1934 besuchten Spezialisten aus Moskau die Stadt Lankaran am Kaspischen Meer und nahmen Bodenproben die sie analysierten. Sie fanden heraus, dass das Gebiet für Teepflanzen sehr gut geeignet ist. Das Gebiet um Lankaran ist auch heute noch das Hauptanbaugebiet für den aserbaidschanischen Tee.

In den 1980er Jahren erreichte im sowjetischen Aserbaidschan die Teeproduktion ihren Höhepunkt mit etwa 38.000 Tonnen pro Jahr. Die Teeproduktion ging jedoch infolge des Zusammenbruchs der UDSSR stark zurück. In den Jahren 2007-2008 wurden weniger als 500 Tonnen geerntet. Ein Export findet praktisch nicht statt, da der Tee im Land selber benötigt wird.

Teezubereitung in Aserbaidschan

Der Schwarztee wird im Samowar zubereitet. Man stellt zunächst in einer kleinen Kanne einen sehr starken Teeextrakt her. Hiervon gibt man eine kleine Menge in das Teeglas, und verdünnt anschliessend mit heissem Wasser auf Trinkstärke. Ähnliche Zubereitungsartenn kennt man aus Russland, der Türkei, dem Iran und einer Reihe anderer Länder.

Archäologen fanden in Sheki, einer Stadt am Fuße des Kaukasus, einen Samowar, der 3.600 Jahre alt sein soll. Wie weit diese Angabe stimmt, kann man nur schwer überprüfen. Aber, wie auch immer: Tee hat eine sehr lange Tradition in Aserbaidschan, und der Stellenwert der ihm beigemessen wird, ist sehr hoch.

Zum Abschluss hierzu noch ein Video:

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