Tee, Teekultur und Teeanbau in der Türkei

teegarten in rize

Tee (Çay) ist in der Türkei allgegenwärtig und wird zu jeder Tageszeit und Gelegenheit getrunken. Er ist zudem fester Bestandteil bei der Bewirtung von Gästen, und ein Glas Çay abzulehnen, kann als Beleidigung aufgefasst werden.

Wie der Tee in die Türkei kam

Die Teekultur ist relativ jung, denn die Türkei war lange ein Land in dem Kaffee getrunken wurde. Der Kaffee wurde überwiegend aus dem Jemen bezogen, der damals zum Osmanischen Reich (der späteren Türkei) gehörte.

Der Jemen besass mit der Stadt Mokka am Roten Meer die Metropole des frühen Kaffeehandels. Spätestens jedoch durch die Unabhängigkeitserklärung 1918, ging der Jemen “verloren”, wodurch Kaffee zum teuren Importartikel wurde.

Man musste für die Bevölkerung einen passenden Ersatz finden.

Um 1890 wurden in der Gegend um Bursa bereits zwei Anbauversuche mit Tee unternommen, die jedoch beide fehl schlugen, da das Klima dort zu trocken ist.

1917 schickte man eine Delegation in das benachbarte Georgien am Schwarzen Meer, wo bereits erfolgreich Tee angebaut wurde. Von dort übernahm man das Wissen, wie man den Teeanbau praktisch verwirklicht. Zudem siedelte man nah der georgischen Grenze am Schwarzen Meer erste Teegärten an, die dann auch erfolgreich arbeiteten. Das dortige Klima ist mit warmen, regenreichen Sommern, und milden, frostfreien Wintern sehr gut für Teepflanzen geeignet.

Rize, das Zentrum des türkischen Teeanbaus

1924 wurde ein Gesetz zur Förderung des Teeanbaus um die Stadt Rize erlassen. Mitte der 1930er Jahre wurde zusätzlich beschlossen, dass der gesamte Tee für den Eigenbedarf des Landes in der Türkei produziert werden soll.

 

Zwischen 1937 und 1940 wurden dazu grosse Mengen junger Teepflanzen aus Georgien importiert, zudem wurden Stecklinge systematisch in der Türkei herangezogen.
 
Heute werden im Gebiet um Rize rund 65% des türkischen Tees produziert. Weitere Anbaugebiete sind Trabzon (mit rund 20% das zweitgrösste Anbaugebiet), Ordu und Giresun (zusammen ~3%), die alle recht nah bei Rize am Schwarzen Meer liegen, sowie Artvin (~10%) landeinwärts, in den Ausläufern des Pontischen Gebirges. Dadurch ist die Türkei immerhin der fünft grösste Teeproduzent weltweit, was vielen unbekannt ist. Produziert werden in kleinen bis mittleren, meist familiär geführten Betrieben, rund 190.000 Tonnen Tee pro Jahr, wovon ~160.000 Tonnen im eigenen Land getrunken werden. Es bleibt also nur eine rel. kleine Menge für den Export übrig.

Hergestellt wird fast ausschliesslich Schwarztee nach orthodoxer Methode mit dunklem, leicht herbem Aufguss, der als Alltagstee eingestuft wird, aber richtig zubereitet durchaus schmackhaft ist.
 
Mit den Teepflanzen kam auch die Teezubereitung aus Georgien und Russland in die Türkei, was die Verwendung des Samovar / Semaver erklärt. Zudem ist eine einfache Variante des Samovar sehr populär in der Türkei: Der Caydanlik
 

Teeanbau: Das Volk der Lasen

Der Teeanbau um Rize wird hauptsächlich von Angehörigen der Lasen betrieben, einem Volk, das ursprünglich aus dem südlichen Kaukasus stammt, und nicht näher mit den Türken verwandt ist. Da sie von der Türkei nicht als Minderheit anerkannt werden, ist relativ wenig über sie bekannt, und man weiss nicht einmal genau, wie viele Lasen es gibt (die Zahlen schwanken zwischen 45.000 und 500.000).
 
Sie werden in vielen Bereichen benachteiligt. So darf ihre Sprache, das Lazuri, nicht in Schulen unterrichtet werden, ihre Bräuche und Traditionen werden kaum öffentlich ausgeübt, und eine offizielle politische Vertretung fehlt ebenfalls. Es droht den Lasen ein weitgehender Identitätsverlust, der bei der Sprache bereits deutlich erkennbar ist: Viele junge Lasen sprechen nur noch Türkisch.
 
Das Siedlungsgebiet, das teilweise auch Lasistan genannt wird, erstreckt sich von Rize entlang der Schwarzmeerküste bis nach Batumi in Georgien.

Die Verdienstmöglichkeiten waren hier für viele ausgesprochen schlecht, was einen Teil dieser Menschen veranlasste, im Ausland, so auch in Deutschland, Arbeit zu suchen.
 

Bedingt durch den Tee, der auf fast jeder verfügbaren Fläche angebaut wird, hat sich der Lebensstandard vieler Lasen deutlich verbessert, und es hat sich ein relativer Wohlstand eingestellt.

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