Deutschlands einzigartiger Teegarten: Tschanara

Der einzige authentisch betriebene Teegarten Deutschlands liegt 20 km entfernt von Köln in Odenthal-Scheuren im Bergischen Land. Teefreundin Anneke Gerrets führte ein Interview mit den Besitzern Wolfgang Bucher und seiner Frau Haeng ok Kim.

Das Interview

-Würden Sie sich unseren Lesern kurz vorstellen?

Die Anfänge meines Interesses für Tee gehen zurück in meine Lehrzeit als Biologielaborant, 1976, als mir ein Kollege einen Katalog von Paul Schrader mitbrachte; das erste Teeservice habe ich noch. Aus der Begeisterung für das Teetrinken, und damals gab es noch nicht die große Auswahl, insbesondere was Grüntees betrifft, entstand auch das Interesse an der Teepflanze, dann für Kamelien und ich fing an neben Teepflanzen auch Kamelien Wildarten zu sammeln. Das Interesse dehnte sich weiter aus über Gehölze und Bäume. Ich begann ab 1990 in der Freizeit auch in der Bonsai Schule Schneider in Odenthal-Scheuren mitzuarbeiten. 1994 bin ich das erste Mal nach Korea gereist, habe dort meine Frau kennengelernt. Sie ist Koreanerin, und wir haben 1997 in Korea geheiratet. Bei meiner ersten Koreareise hatte ich schon das Glück, im Togapsa Tempel im Wolchulsan Gebirge Teepflanzen zu sehen. Wir haben seitdem zusammen verschiedenste Teeanbauregionen in Korea besucht, von kleineren Tempeln bis zu größeren Anbaugebieten in Jirisan, Boseong oder auf Jeju Island, und haben von dort Teesamen mitgebracht und diese zunächst in unserem Garten kultiviert.

-"Deutscher Tee" — Ich muss zugeben, dass ich zuerst etwas verwirrt war. Zwar wusste ich bereits, dass in Deutschland Tee gemischt (z.B. der berühmte Ostfriesentee) und abgepackt wird, aber dass es Tee gibt, der wirklich aus Deutschland kommt…da war ich ziemlich baff. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, in Deutschland Tee anzubauen?

Es ist doch eine spannende Idee selber Teepflanzen zu kultivieren und warum sollte dies nicht auch in Deutschland möglich sein? Die ersten Teesämlinge haben wir damals in unserem Garten angepflanzt, es war allerdings auch eine sehr geschützte Lage direkt am Haus. Nach einigen Jahren konnten wir davon erstmals Grüntee herstellen. Hier wurden die Pflanzen aber schnell zu groß und wir verpflanzten diese nach Odenthal-Scheuren, was sich aufgrund des guten Bodens zu einem Erfolg entwickelte. Unsere ältesten Sträucher sind 1999 dort im oberen Feldstück ausgepflanzt worden. 2008 folgten im unteren Feldstück weitere Teepflanzen mit Ursprung aus Japan, China, Sikkim, Deutschland, Holland und England. Hier sind die ältesten Pflanzen vom Jahr 2000.

Haeng ok bei der Ernte von Teesamen

-Ist Deutschland denn für den Teeanbau geeignet? Welche Bedingungen muss ein Landstrich mit sich bringen, damit man dort Tee anbauen kann?

Wir sind hier im Rheinland natürlich durch milderes Klima begünstigt. Tee benötigt einen gut drainierten und sauren Boden und hohe Niederschlagsmengen. Wir haben auf unserem Feld einen pH-Wert zwischen 4,7 – 5,9 und die Hanglage ermöglicht einen guten Wasserabfluss. Es hatte im Mai und Juni dieses Jahres relativ viel geregnet und in den trockenen Perioden konnten wir einen hochwertigen Grüntee herstellen.

Wolfgang (rechts) bei der Teeernte mit Teefreunden

-Gab es zwischendurch Probleme mit dem Teeanbau in Deutschland?

Wir hatten über die Jahre auch kältere Winter, unser Teegarten liegt auf etwas mehr als 200m Höhe und infolge mit höheren Frostgraden. Schnee ist prinzipiell kein Problem, da er auch isolierende Wirkung hat. Größere Auswirkungen haben längere Frostperioden. Tee ist eine immergrüne Pflanze, die auch im Winter weiterhin Wasser aus dem Boden braucht. Daher ist es sehr wichtig den Wurzelbereich möglichst frostfrei zu halten. Wir decken den Boden mehrfach im Jahr mit Stroh ab, was gerade jetzt vor dem Winter der Isolierung dient. Im Sommer hat es zudem den Vorteil die Verdunstung zu reduzieren und die Unkräuter zu kontrollieren. Der größte Teil unserer Teepflanzen stammt aus dem südlichen Teil aus Korea, und auch dort gibt es Frostperioden, allerdings sind die Winter in Korea eher trocken und kalt, es gibt auch keine Spätfröste wie bei uns. Über die Jahre haben sich die Pflanzen da es sich um generativ vermehrte Pflanzen mit unterschiedlichen Erbeigenschaften handelt, teilweise selbst selektiert und die robustesten haben sich sehr gut an das Klima angepasst.

Tschanara Green

-Frau Kim, Sie kommen aus Korea. Was für Tees werden in Ihrem Heimatland am meisten getrunken?

In früheren Zeiten hatten die Koreaner hauptsächlich Grüntee getrunken der auch in Korea eine lange Tradition hat. Es gibt einige größere Teeanbaugebiete wie Boseong, Jirisan oder auf Jeju Island. Grüner Tee wurde schon immer in der Nähe der Tempel angebaut und von Mönchen gepflegt und getrunken. In den letzten 3 - 4 Jahren ist dieser Tee in Korea zurückgegangen und es wird mehr Schwarztee oder Pu Erh Tee getrunken.

-Frage an beide: Schmeckt "echter deutscher Tee" anders als Tee, der aus China, Korea oder Indien kommt?

Das ist schwer zu beantworten, da wir noch keinen Vergleich zu anderen Teeherstellern in Deutschland haben. Unser Tee, und in erster Linie unser Grüntee, hat etwas eigenständiges, oder man könnte auch von Charakter sprechen. Der Geschmack und die Qualität des Tees werden aber durch so viele Faktoren bestimmt, wie Klima, Boden oder den Teekultivar, dass wir noch viele Jahre Erfahrung brauchen um diese Einflüsse zu bestimmen. Meine Frau hat in diesem Jahr von einzelnen Teebüschen selektiv Tee geerntet und zu Grüntee unter gleichen Bedingungen verarbeitet. Von 6 Proben zeigten 2 Tees einen besseren Geschmack als die anderen; hier können wir noch weiter optimieren. Geschmacklich weist unser Grüntee einen duftenden Aufguss mit frischen und leicht blumigen Noten auf. Er lässt sich im chinesischen Stil mit einer etwas höheren Dosierung mehrfach aufgießen. Der halboxidierte Oolong Tee hat das Aussehen eines Baozhong und einen weichen und langanhaltenden Geschmack. Der Schwarztee ist mild, mit einer leichten Süße.

-Sie stellen Grüntee, Schwarztee und Oolong-Tee her. Was für einen Tee würden sie einem deutschen Teetrinker zum Einstieg empfehlen, der bis jetzt nichts als Beutel-Tee aus dem Supermarkt getrunken hat?

Tee ist ein Naturprodukt, das viele Arbeitsschritte hinter sich hat bis wir es in der Tasse trinken können. Wenn man dies selber schon vom Pflücken bis zum fertigen Getränk miterlebt hat, weiß man dies auch zu schätzen. Teebeutel aus dem Supermarkt muss nicht schlecht sein und lässt sich natürlich einfach aufbrühen. Aber Tee zu trinken heißt auch sich dafür Zeit zu nehmen, um Farbe, Geruch und Geschmack wahrzunehmen und dies auch mit einem schönen Teeservice zu zelebrieren. Die Auswahl an guten Tees wird immer größer und es gibt viele gute Online Shops, die diese anbieten. Zum Einstieg würde ich vielleicht einen Darjeeling First oder Second Flush empfehlen und hier auf eine gute Qualität achten.

Das Interview führte Anneke Gerrets.

Wir bedanken uns bei Wolfgang und Haeng ok!

Tschanara Teegarten
Wolfgang Bucher und Haeng Ok Kim
Wirtsspezard 14
51519 Odenthal
germanys-teagarden.blogspot.de/

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