Der Teebeutel

Als Tee aus China und Japan im 17. Jahrhundert Europa erreichte, veränderte er nachhaltig die Trinkgewohnheiten einiger Länder oder Regionen, insbesondere von England/Grossbritanien, Russland und Friesland. Ab dem 19. Jahrhundert wurde vor allem in britischen Kolonien wie Indien, Sri Lanka, Kenia, Malawi, Malaysia Tee angebaut, was unabhängiger von Teeimporten aus China und Japan machte.

Vor- und Nachteile des Teebeutels

Im 20. Jahrhundert gab es dann eine in Kennerkreisen viel diskutierte Weiterentwicklung, welche die Teezubereitung erheblich vereinfachte: der Teebeutel wurde erfunden. Man konnte nun Tee in einer Tasse oder einem Becher genau so einfach zubereiten wie in einer Kanne. Auch das oft mühselige Entfernen der Teeblätter entfällt, wodurch eine Teekanne einfacher sauber zu halten ist. Gerade am Arbeitsplatz, auf Reisen, oder für eine schnelle Tasse Tee, sind das nicht zu unterschätzende Vorteile.

Diesen Vorzügen stehen aber auch Nachteile gegenüber. Der Kontakt zwischen Teeblättern und Wasser wird durch den Teebeutel eingeschränkt, wodurch sich das Aroma nicht voll entfaltet. Zudem kann das Teebeutelmaterial unerwünschten Beigeschmack abgeben. Anders ausgedrückt: durch Teebeutel wird keine Tee verbessert! Kenner bevorzugen daher nach wie vor den freien Aufguss, und nehmen dafür gerne eine gewisse Mehrarbeit in Kauf.

Teeei, Teekugel, Teezange

Vor der Erfindung des Teebeutels wurden häufig Teeeier, Teekugeln oder Teezangen zur schnellen Zubereitung benutzt. Hierbei handelte es sich um perforierte Metallbehälter, die mit losem Tee befüllt und in kochendes Wasser getaucht wurden, um dann mit Hilfe einer Kette oder eines Griffs entfernt wurden. Gelegentlich werden solche “Infuser” auch heute noch angeboten.

Im Vergleich zum Teeei stellt der Teebeutel eine echte Verbesserung dar, da der Kontakt von Wasser und Tee beim Teebeutel deutlich besser ist, und der Aufguss somit gehaltvoller wird.

Tee, der mit Beuteln zubereitet wird, steht also qualitativ zwischen freiem Aufguss und Teeei.

Wie der erste Teebeutel entstand

Um 1908 begann der New Yorker Teehändler Thomas Sullivan mit dem Versand von Teeproben in kleinen, aus Seide hergestellten Beuteln. Einige Kunden vermuteten, dass man diese ähnlich wie ein Teeei verwenden sollte, indem man den gesamten Beutel in die Kanne steckte, anstatt den Inhalt zu entleeren. Die Erfindung des Teebeutels hat man also einem Zufall zu verdanken.

Seide erwies sich jedoch als zu fein, und erschwerte den so wichtigen Kontakt von Wasser und Tee. In Folge entwickelte Sullivan Teebeutel aus groberem Baumwollmull, wie er beispielsweise zur medizinischen Wundbehandlung verwendet wird. Später benutzte er Papier, und es dauerte nicht mehr lange, bis zwei verschiedene Grössen Teebeutel angeboten wurden: kleinere für eine Tasse, grössere für eine Kanne. Zudem wurde eine Schnur mit verziertem Anhänger angebracht, um den Beutel leichter entfernen zu können.

Während in den USA diese neue, vereinfachte Form der Teezubereitung, begeistert aufgenommen wurde, hielten die Briten sich zunächst zurück, und nahmen die Neuerung erst allmählich an. Der Grund für diese Skepsis war unter anderem, dass unaufrichtige Teehändler minderwertigen, feinkrümeligen Abfall verwendeten, um die Produktionskosten zu senken. Dieser Ruf hängt Teebeuteln heute noch nach, und das teilweise auch zu Recht.

Horniman Tea in England, um das Jahr 1900 der grösste Teehändler der Welt, garantierte dann mit seinem Namen dafür, dass nur hochwertige Tees für seine Teebeutel verwendet würden.

In den frühen 1960er Jahren machten Teebeutel lediglich rund 3% des britischen Marktes aus - heute sind es über 95%!

Doppelkammerteebeutel

Der Teebeutel in Deutschland

In Deutschland war es Adolf Rambold, Mitarbeiter bei der Firma Teekanne, der Ende der 1920 Jahre den ersten Doppelkammerteebeutel aus geschmacksneutralem Papier erfand, der für noch besseres Aroma ab 1949 mit einer Metalklammer verschlossen wurde. Ähnliche Teebeutel werden noch heute in Deutschland angeboten.

Zudem entwickelte er auch die weltbekannte “Constanta”, eine wegweisende Teebeutepackmaschine. Teekanne stellt heute täglich unglaubliche 10 Millionen Teebeutel her.

Teebeutel haben innerhalb von gut 100 Jahren die Teezubereitung in der westlichen Welt nachhaltig verändert. Es gibt sie im bereits erwähnten Doppelkammerbeutel, im althergebrachten Einkammerbeutel, runde Teebeutel sind erhältlich, aber auch pyramidenförmige. Verwendet wird meist geschmacksneutrales Papier (soweit das möglich ist), aber auch Kuststofffasern sind vereinzelt im Einsatz. Man füllt sämtliche echte Teesorten in Teebeutel, aber auch Kräuter- und Früchtetees. Man wird in diesem Bereich das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Der Teebeutel gehört zur Teekultur, so wie der Kaffeefilter zur Kaffeekultur.

Pyramidenförmiger Teebeutel aus Nylon

Die Nachteile sind nicht wegzureden, die Vorteile jedoch auch nicht. Gerade in unserer schnelllebigen Welt gibt es immer mehr Menschen die glauben, keine Zeit zu haben. Für sie ist der Teebeutel ideal.

Wer das Teetrinken mit Ruhe und Entspannung verbindet (siehe dazu auch "Die Gongfu Cha Teezeremonie"), wird jedoch nur in Ausnahmen diese Art der Teezubereitung bevorzugen. Insbesondere hochwertige Tees werden kaum je ihren Weg in einen Teebeutel finden, und das ist auch gut so. Lose aufgegossener Tee ist nach wie vor geschmacklich besser, und die Mehrarbeit ist bei etwas Übung zu vernachlässigen.

In Deutschland wird, anders als im Vereinigten Königreich,  mehr loser Tee gekauft. Das Verhältnis liegt bei etwa 60 : 40 %. Es bleibt zu hoffen, dass das so bleibt, und möglichst noch mehr Menschen den freienAufguss für sich entdecken. 

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