Das Buch vom Tee – ein Klassiker der Teeliteratur

Das Buch vom Tee ist ein Klassiker der Teeliteratur. Geschrieben wurde es vom Japaner Okakura Kakuzo. Wie in Japan üblich, wird der Nachname vorausgestellt, der Vorname folgt danach. In seiner Heimat ist er eher unter seinem Pseudonym "Tenshin" bekannt.

okakura kakuzo

Früher Kontakt zur westlichen Kultur

Okakura wurde 1862 in Yokohama in einem wohlhabenden Elternhaus geboren († 1913). Er erlernte ab seinem siebten Lebensjahr englisch an einer amerikanischen Missionarsschule, was in Japan zum damaligen Zeitpunkt sehr ungewöhnlich war.

Später studierte er in Tokio westliche Kultur und Philosophie, Politik sowie Volkswirtschaft. Des weiteren bekam er aber auch eine Ausbildung in "Chadō", der japanischen Teezubereitung.

Er lernte dann "Ernest F. Fennolosa" kennen, einen amerikanischen Professor, der in Japan Philosophie lehrte. Über Fennolosa wurde er Anhänger klassischer japanischer Kunst (später auch Kunstwissenschaftler), übersetzte für ihn zahlreiche Forschungsarbeiten, und war als Dolmetscher für ihn tätig.

Er kam so auch in die USA und nach Europa, bereiste später auch China und Indien.

Okakura bekam darüber einen guten Einblick in die westliche Kultur.

Das von ihm in englischer Sprache geschriebene Werk “The Book of Tea” erschien 1906 zuerst in New York und London. Eine Übersetzung ins Japanische erfolgte erst 1927. Man kann daran erkennen, dass Okakuro dieses Buch primär für die westliche Welt verfasste.

"The Book of Tea" ist dann auch weniger eines der vielen Teebücher, die primär von Teesorten und Anbaugebieten handeln. Es wird vielmehr versucht, dem Westen die japanische Kultur nahezubringen. Da Tee hier eine zentrale Rolle einnimmt, baut er Beschreibungen und Erklärungen um den "Teeismus", wie er es nennt, herum auf.
Ein Zitat aus dem Buch:

"Ihr mögt über uns lachen weil wir "zu viel Tee" in uns haben, doch genauso gut könnten wir euch vorwerfen, dass ihr im Westen "überhaupt keinen Tee" in euch tragt."

Deutsche Übersetzungen

Das Werk wurde mehrfach ins Deutsche übersetzt:

1919 von Marguerite und Ulrich Steindorff im Insel Verlag (erschien also vor der Übersetzung ins Japanische, die erstmalig 1927 erfolgte). Diese Version kann man kostenlos im Projekt Gutenberg lesen.

1949 von Horst Hammitzsch, Neuauflage im Insel Verlag, mit einem Nachwort des Übersetzers zu Okakuras Leben (mehrere Neuauflagen, seit 1979 auch als Taschenbuch, 2002 als gebundene Sonderausgabe)

1997 Ritual der Stille. Die Teezeremonie von Judith Mayer (anderer Name, aber Übersetzung des selben Buches) Verlag Herder - mit Vor und Nachwort von Teemeister "Soshitsu Sen"

2002 von Horst Hammitzsch (Insel Verlag)

2004 von Damaris Müller im Patmos Verlag (mit Anmerkungen von Michael Kuhl)

2011 von Kim Landgraf (Insel Verlag)

Okakuras Text schwankt ein wenig von Übersetzung zu Übersetzung. Die Vor- und Nachwörter sind es, die den grössten Unterschied machen.

Es existiert eine grössere Anzahl antiquarischer Bücher, auch der ersten Auflage, die ab ~3,- Euro über das WWW zu bekommen sind. Sie sind in erster Linie für Sammler und Freunde von Antiquariat interessant, denn neue Bücher kosten nicht viel mehr.


Das Buch vom Tee auf einem Android Tablet

Englischsprachige Ausgaben sind ebenfalls im Internet kostenlos erhältlich:

Project Gutenberg (nicht zu verwechseln mit dem deutschen "Projekt Gutenberg") bietet verschiedene Formate an, unter anderem in HTML, was von jedem Browser dargestellt werden kann. Ausserdem gibt es eine Version für Kindle Reader und EPUB Reader.

The Book of Tea auf Project Gutenberg

Abschliessend noch der Link zum Museum, das 1997 Okakura zu Ehren eröffnet wurde:

Tenshin Memorial Museum Of Art

Auf der Seite erfährt man mehr über das Leben und Wirken von Tenshin.

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