wie die inder zu teetrinkern wurden

tee trinkende inderin

indien ist der zweitgrösste produzent von tee weltweit, und als getränk ist er ein wichtiger bestandteil des täglichen lebens. innerhalb der familien, besonders aber auch an unzähligen kleinen strassenständen im ganzen land, wird der gewürztee masala chai zubereitet, und von morgens bis abends getrunken.

man könnte glauben, dass camellia sinensis ähnlich wie in china, seit jahrtausenden bestandteil der indischen kultur ist, aber dem ist nicht so.

tee als getränk für die massen hat eine sehr junge geschichte in indien.

zwar ist der teebaum in assam einheimisch (camellia sinensis assamica), aber abgesehen von wenigen eingeborenen bergstämmen, war dessen gebrauch als aufgussgetränk unüblich und nicht weiter in indien bekannt.

tee wurde jedoch seit jahrhunderten aus china über die tee-pferde-strasse nach indien eingeführt, aber er war teuer, und vielfach diente er medizinischen zwecken. vom massengetränk war camellia sinensis weit entfernt.

das änderte sich erst langsam, als die briten in ihren kolonien neue gebiete für den anbau von tee suchten. china besass quasi ein monopol beim teehandel, und war grossbritannien als teelieferant zu unkalkulierbar geworden.

 

so kam es, dass ab den 1830er jahren erster tee professionell in in assam angebaut wurde. von hier aus breitete der teeanbau sich über indien aus, und weitere anbaugebiete in darjeeling, nilgiri und vielen weiteren regionen folgten.

allerdings wurde der in indien produzierte tee von der einheimischen bevölkerung nach wie vor kaum getrunken. er war, wie andere kolonialwaren auch, primär für den englischen markt gedacht, und die briten sahen zunächst keine notwendigkeit, indien für den konsum von tee zu erschliessen. erst mit der weltwirtschaftskrise ab 1929 änderte sich das, da der absatz in england nachliess, und für die nun vorhandene überproduktion neue märkte erschlossen werden mussten. was lag näher, als indern den im eigenen land angebauten tee schmackhaft zu machen?

man startete werbekampagnen, und sehr langsam begann ab dieser zeit, indien zu einer teetrinkernation zu werden.

aber der grosse durchbruch stellte sich immer noch nicht ein. das getränk wurde als von der kolonialmacht aufgezwungenes produkt wahrgenommen, und beispielsweise mahatma gandhi lehnte den teekonsum ab. in seinem buch “key to health” hat er in einem kurzen kapitel folgendes geschrieben:

The leaves contain tannin which is harmful to the body. Tannin is generally used in the tanneries to harden leather. When taken internally it produces a similar effect upon the mucous lining of the stomach and intestine. This impairs digestion and cause dyspepsia.

dass gandhi sich hier teilweise irrte, sei nur am rande erwähnt. tannine/gerbstoffe in form von catechingerbstoffen/catechinen gehören zu den gesundheitlich wertvollsten bestandteilen im tee. auch das bekannte epigallocatechingallat gehört zu dieser gruppe.

solche äusserungen von einem anerkannten führer wirkten sich aber natürlich bremsend auf die verbreitung des getränks in indien aus.

wichtig waren zwei faktoren, um tee in indien den wirklichen durchbruch zu ermöglichen:

1. das land musste selbstständig werden (1947). der konsum von tee war zu sehr mit der ungeliebten kolonialmacht verbunden.

2. tee musste preiswerter werden, was durch die CTC-methode möglich wurde. diese vereinfachte methode der herstellung wurde ab den 1950er - 70er jahren vermehrt eingeführt, und ab diesem zeitpunkt verbreitete sich tee als getränk dann rasant über ganz indien.

allerdings wurde der tee nicht auf englische art zubereitet.

dass echter tee lange vor dem kommerziellen teeanbau durch die briten über die tee-pferde-strasse aus china nach indien gelangte, ist bekannt. dieser tee  war auch bestandteil der traditionellen indischen medizin, dem ayurveda.

kräuter- und gewürztees  werden im ayurveda ausgekocht. milch wird hierbei oft zugesetzt, da sie hochwertige, gesundheitsfördernde eigenschaften besitzt und somit die kräuterwirkung unterstützt. (palm)zucker wird benutzt, um den geschmack der teilweise recht herben mischungen zu verbessern.

sowohl milch als auch palmzucker fanden zudem die zustimmung bei gandhi - politisch waren sie also korrekt, und nahmen zudem dem tee die nach gandhi negativen eigenschaften.

schwarzer tee + gewürze + milch + (palm)zucker = masala chai/indischer gewürztee

die türe für den im eigenen land produzierten schwarztee war in kombination mit zutaten aus dem ayurveda geöffnet. gegenwärtig werden rund 70% der landeseigenen teeproduktion in indien verbraucht. 

"wie die inder zu teetrinkern wurden" ist der lV. teil einer serie über die frühzeit des tees in indien. vorrausgegangen sind: 

I: die alte tee-pferde-strasse von china nach indien - wie der tee in alten zeiten von china nach indien transportiert wurde

II. assam, die wiege der indischen teekultur - die entdeckung des teebaums in assam und seine nutzung durch die jingpo und briten

III. maniram dewan – wegbereiter für den tee in indien - der erste kommerzielle indische teepflanzer

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