wie der tee nach russland kam

tee wird in russland, zumindest im vergleich zu china, noch nicht sehr lange getrunken. der erste offizielle kontakt fand angeblich 1638 statt, als ein mongolischer khan dem russischen zaren michael I. ein geschenk übergeben liess, zu dem auch tee gehörte. 

andere berichte nennen mit 1618 ein früheres datum für den ersten kontakt. dieses mal soll ein russischer gesandter tee aus china nach russland geschickt haben. 

und dann sind da noch die zwei kosaken, die bereits 1567 tee aus china nach russland gebracht haben sollen.  

es lässt sich also nicht mehr so einfach klären, was nun stimmt, und es soll auch nicht weiter wichtig sein. erste kontakte mit tee werden vermutlich in sibirien, an der grenze zur mongolei und china, noch einiges früher stattgefunden haben. allerdings hat das niemand schriftlich für die nachwelt festgehalten. 

russland wird in etwa in der zeit mit grösseren mengen tee in berührung gekommen sein, wie auch portugal. allerdings erreichte der tee für russland über den landweg sein ziel, während der tee für portugal, die niederlande und england über den seeweg nach europa gelangte.

die teestrasse von china nach russland

zuverlässig datieren lässt sich auch der vertrag von nertschinsk. nertschinsk ist eine russische stadt relativ nah an der chinesischen grenze. hier wurde 1689 vertraglich festgelegt, dass händler zwischen china und russland frei verkehren durften, was gleichzeitig auch der beginn einer als “teestrasse” bezeichneten handelsroute war.

diese teestrasse muss man unterscheiden von der tee-pferde-strasse. die tee-pferde-strasse führte von china über tibet nach indien, und zu ihr ist bereits ein artikel im tee-fokus erschienen.

zurück zur teestrasse: tee war daher namensgebend, da er von china in richtung russland das hauptsächliche handelsgut war (80-90%). allerdings wurden auch seide, baumwolle, porzellan, heil- und lebensmittel nach russland eingeführt.

zurück von russland nach china, wurden insbesondere pelze und kunstgegenstände gehandelt. jedoch war der handel aus china nach russland erheblich grösser als umgekehrt.

viele karawanen starteten in taiyuan/china und endeten in moskau/russland. die karte soll die enorme distanz zeigen, die zwischen anfang und ende der handelsroute lag. zu bedenken ist dabei, dass zunächst der tee auch noch zum ausgangspunkt taiyuan transportiert werden musste. in moskau endete die teestrasse auch noch nicht für alle güter. der offizielle abschluss der teestrasse liegt 700 km weiter nördlich in sankt petersburg.

man kann erkennen, wie weit start und ziel auseinander lagen: es waren fast 10.000 km, die mit pferden, eseln oder kamelen zu bewältigen waren. es ging durch wüsten, sümpfe, flüsse, über berge, durch hitze und kälte, und durch die mongolei und sibirien. die karawanen benötigten für den anstrengenden und gefährlichen weg fast ein jahr, was einem schnitt von rund 30 km täglich entspricht. wer das schaffen wollte, musste körperlich sehr fit sein, und das nicht nur tageweise.

entlang der teestrasse hatte sich eine eigene handelssprache entwickelt, die nach der stadt kjachta (auch kyakhta geschrieben), dem knotenpunkt der teestrasse, als “kyakhta russian-chinese pidgin” bezeichnet wird.

teeziegel

um den tee gut transportieren zu können, wurde er nach der trocknung zerkleinert, gesiebt, gedämpft, teilweise mit bindemitteln (meist reiswasser) versetzt, und dann zu sogenannten teeziegeln gepresst. neben den blättern wurden auch feine bis grobe stiele und ästchen beigemischt, teilweise auch billige fremdbestandteile, die nicht vom teestrauch stammten. beim pressvorgang wurden daher auch bilder und muster als qualitätsstempel eingeprägt, die den teeziegel einer der fünf gebräuchlichen qualitätsklassen zuordneten. dass falsche deklarierungen vorkamen, kann sich vermutlich jeder vorstellen.

zwei teeziegel

in china wurde diese art tee als eher minderwertig angesehen, aber die form kam dem transport über tausende kilometer und monate sehr entgegen. teeziegel sind gut zu verpacken, und sie nehmen deutlich weniger platz als blatttee ein.

lange zeit wurden teeziegel als primtivgeld benutzt, und stellten eine art währung dar, die bei bedarf auch noch als getränk zubereitet werden konnten.

beginn der russischen teekultur

zur zubereitung musste ein stück tee abgebrochen und erhitzt werden, um möglichen pilz- oder insektenbefall, der während der langen reise auftreten konnte, abzutöten. ausserdem konnte man den tee hierbei rösten, wodurch er schmackhafter wurde. anschliessend wurde das teestück zerkleinert, und mit kochendem wasser übergossen oder ausgekocht.

die hohe schule der teekunst war das sicher noch nicht, aber selbst diese einfache qualität konnten die menschen überzeugen, und so kam es, dass sich in russland eine teekultur entwickelte.  

der vollständigkeit halber sei erwähnt, dass der russische karawanentee meist besser eingestuft wurde als das, was in der frühzeit des teehandels per schiff nach portugal, holland und england gelangte.

mit der umstellung auf den preisgünstigeren transport mit schiffen und eisbahnen, verlor die teestrasse mehr und mehr an bedeutung. anders als die heute noch bekannten handelswege über die seidenstrasse und die teerouten richtung tibet, geriet die russisch-chinesische teestrasse fast vollkommen in vergessenheit. ohne sie wäre jedoch die heutige teekultur in russland undenkbar.

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