Was man so alles in den Tee tun kann

Autor: Anneke Gerrets

Milch oder Zitrone?

Zucker

„Tee sollte nach Tee schmecken“, nannte mir einmal ein Gast, der aromatisierte Tees rigoros ablehnte. (Ich habe ihm deshalb nie gesagt, daß der Tee, den ich ihm serviert habe, Ahmad Turkish Blend, leicht mit Bergamotte aromatisiert ist.) Er tat allerdings ohne mit der Wimper zu zucken zwei Stück Vollrohrzucker rein.

Zitrone

In meiner Kindheit gab es Tee meistens mit Zucker und eventuell Zitrone. Wenn es zu Oma und Opa in Kiel ging, mußten wir zuerst mit dem Schiff fahren. Auf dem Schiff gab es Tee als Kännchen oder als Glas…wobei in das Teeglas 2, und in das Kännchen 4 Beutel Westminster-Tee (von Aldi) gegeben wurden. Dazu lagen immer mindestens zwei Päckchen mit je zwei Stück Würfelzucker…und ein oder zwei Tüten Zitronensaft. Auf den kleinen Alutüten war eine Zitrone abgebildet.
Ich trank als Kind zum Frühstück immer Tee, auch auf dem Schiff, Kaffee mochte ich nicht. Und dieser „Schiff-Tee“ machte so richtig schön munter. Ich fand es auch lustig anzusehen, wie der Tee orange wurde, wenn man den Zitronensaft reingegeben hatte.
Bei Oma und Opa gab es zum Abendbrot immer Tee…zubereitet wurde er von Oma in einer Teekanne vom Typ Bredemeijer Cosy…allerdings war Omas von Hutschenreuther. Der Tee wurde ebenfalls aus Gläsern getrunken, allerdings mit Kandis statt mit Würfelzucker.

Milch oder Sahne

Ab der 5. Klasse hatte ich Englischunterricht. So erfuhr ich, daß Engländer Tee mit Milch trinken. Igitt, war mein erster Gedanke zu dem Thema. Ich erzählte Mama davon. Sie war gar nicht so schockiert. Und von Mama erfuhr ich, daß in Deutschland Tee nicht nur mit Zitrone, sondern auch mit Sahne getrunken wird. Allerdings nur eins von beidem. „Als ich mit deinem Bruder schwanger war“, hat Mama erzählt, „durfte ich keinen Kaffee, und da habe ich immer Ostfriesentee mit Sahne getrunken.“
Interessanterweise ertragen englische Teetrinker oft die Vorstellung von Sahne im Tee nicht. Wundert mich öfters, denn so groß ist der Unterschied ja nicht, es ist vor allem der Wassergehalt, der Milch und Sahne von einander unterscheidet.
Ein beliebtes Thema für Streit ist auch, ob man Earl Grey mit Milch trinken sollte, oder ob das eine Sünde wider den heiligen Teegeist ist. Ich habe es probiert, und ich finde es nicht schlecht…irgendwie schmeckt die Bergamotte anders (aber nicht schlechter), und die Milch gerinnt auch nicht, weil nur ätherisches Öl, und nicht Saft der Bergamotte drin ist.
Neulich erfuhr ich: Die Königin von England bekommt jeden morgen zwei Kännchen Earl Grey und einen Krug frischer Milch ans Bett gebracht. Sie nimmt ihren Tee allein ein, während die Bedienstete das Bad einläßt. Also wissen wir nicht, was sie mit der Milch macht. Ihr Gatte, so erfuhr ich aus dem selben Artikel, duscht morgens und trinkt Kaffee.

Konfitüre

Ist in Deutschland eher unüblich, aber manche schwören auf etwas Kirsch- oder Himbeerkonfitüre. Ich habe es ein paar Male ausprobiert, finde allerdings, daß die Konfitüre dem Tee ziemlich sauer macht. Man kann das natürlich mit Zucker ausgleichen…aber allgemein ziehe ich es vor, die Konfitüre zum Tee mit dem Löffel zu essen.

Salz

Teemeister Lu Yu lehnte das Aromatisieren von Tee mit Jasmin, Ingwer oder Zwiebeln ab. Solche Getränke waren für ihn gleich dem Wasser aus dem Abwasserkanal. An einen guten Tee gehöre, so lehrte er, lediglich eine Prise Salz. Ich habe es bisher noch nicht probiert, an irgendeine Form von Tee Salz zu tun, könnte mir aber vorstellen, daß es geschmacksverbessernd wirken kann. Meine Oma tat in das Kaffeemehl immer eine Prise Salz. „Dann schmeckt er besser“, erklärte sie mir. Ich hatte fest vor, einmal in einem unbeachteten Moment ein paar Schaufeln Salz in den Kaffee zu tun. Und wenn alle dann fragen: „Wer hat denn diesen ausgezeichneten Kaffee gekocht…?“ Dann würde ich sagen: „Das war Oma, und ich habe ihr geholfen. Und wie ich das gemacht habe, ist mein Geheimnis.“ Einmal hätte ich es beinahe geschafft, aber dann kam Oma doch wieder in die Küche. „Was willst du denn mit dem Salz?“ Da habe ich es schnell wieder zurückgestellt.

Minzblätter

Wenn man Grüntee auf marokkanische Art zubereiten will, kocht man Gunpowder-Tee mit Wasser auf, fügt Zucker hinzu, kocht noch einmal auf, und dann gießt man das Gebräu möglichst schwungvoll in Gläser, in denen sich frische Zweige mit Nana-Minze befinden. (Vorher ausprobieren, ob die Gläser kochendes Wasser überstehen, und sicherheitshalber einen Löffel reinstellen.) Ist nicht jedermanns Sache, aber mir schmeckt diese Art von Tee — und meine Mutter liebt ihn.

Rosengelee

“Was ist dein Lieblingsgetränk”, fragte ich kürzlich ein junges Mädchen. “Hmm…ich glaube: Tee.” Und sie erzählte, daß sie ihn besonders gerne auf persische Art mag. Mit Kardamom und Rosenwasser, alternativ Rosengelee. Ich habe mir mal welches besorgt und es gleich ausprobiert. Interessant: Die Rosenblätter sind im Rosengelee nicht aufgelöst, die sind da noch mit drin und schwimmen schließlich auch mit im Tee.

Orange

Fertige Teemischungen mit so blumigen Namen wie “Douchka Tea Gout Russe” oder “Kusmi Tea Earl Grey Gout Polonais” enthalten Orangenschale. Was genau das mit Rußland und Polen zu tun hat, ist mir unklar, ich kenne weder Russen noch Polen, die Tee mit Orange trinken. Allerdings gab es zur Jugendzeit meines Vaters eine “warme Bowle”, die überwiegend aus Teepunsch (Tee mit Zucker und Rum, dazu später) und Orangensaft bestand.

Rum, bzw. andere Spirituosen

Dies ist definitiv eine umstrittene Sitte. Verwendet werden meistens Rum, Kööm und andere Spirituosen, die keinen so hartgesottenen Freundeskreis haben wie z.B. Single Malt Whisky. “Tee ja”, sagte ein ausprochener Schottland-Fan (Internet-Nickname: Bravemind) einmal zu mir, “und Whisky auch, aber nicht beides zusammen.” Wieder andere stilisieren Teepunsch zu einem Kultgetränk. Meine (Kieler) Oma betrat einmal ein friesisches Café und bestellte einen Teepunsch. “Wieviele?”, fragte die Bedienung. “Einen”, sagte Oma, “nur für mich.” Die Bedienung erklärte: “Ich meinte, wieviele Meter? Sie können einen Meter haben, oder zwei Meter, oder einen halben Meter…” Oma bestellte einen halben Meter, und staunte nicht schlecht, als das Fräulein ihr ein 50cm langes Holzbrett vor die Nase stellte. Darin waren mehrere Mulden, in denen sich Tassen mit Tee befanden. O weia…

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