thomas lipton – tee für jedermann

thomas lipton um 1890

in einem früheren artikel war bereits darüber geschrieben worden, wie der tee in england von “katharina von braganza” eingeführt wurde. auf grund seines hohen preises war er jedoch von einem volksgetränk noch weit entfernt.

thomas lipton ist es zu verdanken, dass tee in england ein bezahlbares getränk für jedermann wurde.

aufbau einer ladenkette

er wurde 1850 als jüngstes von 5 kindern in glasgow in einer arbeiterfamilie geboren. seine eltern waren iren, die nach schottland auswanderten.

mit 10 jahren verließ er die schule um arbeiten zu gehen. in schottland bestand zu diesem zeitpunkt bereits schulpflicht, was zur damaligen zeit nicht selbstverständlich war. in england beispielsweise waren arbeiterkinder vielfach analphabeten. lipton konnte zu diesem zeitpunkt zumindest leidlich lesen, schreiben und rechnen - grundlagen, die für seinen späteren erfolg wichtig waren.

mit 15 wanderte er ohne seine familie alleine in die usa aus. nach verschiedenen jobs auf plantagen erlernte er in new york in einem lebensmittelgeschäft die amerikanische art des verkaufens.

mit 19 ging er zurück nach glasgow, und arbeitete zunächst im lebensmittelgeschäft seiner eltern mit.

mit 21 eröffnete er seinen ersten eigenen laden. das, was er in new york erlernt hatte, setzte er hier um: er präsentierte seine waren so, dass sie auffielen und die aufmerksamkeit der kunden auf sich zogen.

er kaufte zudem direkt beim erzeuger ein, was er von seiner mutter gelernt hatte. er konnte darüber den zwischenhandel umgehen und die preise niedrig halten.

die kombination aus gut dargebotener und preiswerter ware war sehr erfolgreich! er eröffnete weitere geschäfte zunächst in glasgow, dann in schottland, später in in ganz grossbritanien. jede eröffnung wurde durch groß angelegte werbekampagnen begleitet.

diese ladenkette war der grundstock für sein teeimperium. es waren später über 300 geschäfte, die lipton gehörten. 

wie man erkennen kann, war er zunächst einzelhandelskaufmann, der es verstand, mit geld umzugehen. teehändler wurde er erst ein wenig später.

lipton steigt in den teehandel ein

1890 macht er eine seereise, die eigentlich nach australien führen sollte. bei einem zwischenstopp auf ceylon (damals britische kolonie) geht lipton aber heimlich von bord. er wollte vermeiden, dass seine konkurrenten etwas von seinen neuen plänen mitbekamen.

was war los auf ceylon?

die situation auf ceylon war folgende: hier wurde zunächst im grossen stil kaffee angebaut.

diese plantagen waren jedoch vom kaffeerost, einer pilzerkrankung, befallen worden. zusätzlich machte eine kaffeerattenplage den kulturen zu schaffen. der gesamte kaffeeanbau kam darüber binnen weniger jahre zum erliegen.

man musste sich also gedanken machen, was man statt kaffee anpflanzen konnte. in indien wurde seit einigen jahrzehnten erfolgreich tee angebaut. was lag näher, als das auch auf ceylon zu versuchen? das experiment gelang, und bald schon entstanden erste ceylonesische teegärten auf den ehemaligen kaffeeplantagen.

ruinierte kaffeeplantagen wurden zu dieser zeit für den bruchteil ihres ursprünglichen wertes verkauft.

lipton wusste davon natürlich. der schlaue geschäftsmann nutzte diese chance, und erwarb in aller stille mehrere kaffeeplantagen, wo er nun selber tee anbaute.

so, wie er bereits seine ladenkette zum erfolg geführt hatte, machte er es auch beim tee: er schaltete den zwischenhandel aus, und konnte darüber preiswert verkaufen.

zudem führte er weitere neuerungen ein: er verpackte seine tees in hübsche schachteln und dosen. bisher war es üblich gewesen, den tee lose anzubieten.  

er stellte ausserdem tea taster ein, die für die regionalen wasserqualitäten die passenden teemischungen zusammenstellten. jede region bekam ihren speziellen blend.

liptons tee kam hervorragend an in seinen lebensmittelgeschäften. er war preiswert, lecker, und er war fix und fertig verpackt. nach kurzer zeit wollten andere läden in grossbritanien ebenfalls seine tees. er expandierte in dieser zeit zudem in die usa, und auch hier war er äusserst erfolgreich. die firma lief wie geschmiert.

direct from the teagarden to the teapot...

...war das motto für seinen teeverkauf. er ermöglichte darüber auch den familien mit geringem einkommen den täglichen teegenuss. zusätzlich zu seinen lebensmittelläden hatte er nun auch noch einen höcht profitablen teeverkauf errichtet.

1898 machte er aus seiner firma eine aktiengesellschaft, wodurch er rasch weiter wachsen konnte. er war aber nun auch verpflichtet, den teilhabern rechenschaft über seine geschäfte zu geben. die alleinige hoheit über seine firma endet hier.

1927 übernahm der niederländische margarinehersteller van den berg 25% an lipton. thomas lipton gab zu diesem zeitpunkt auch die firmenführung ab. 

van den berg fusionierte 1929 mit dem englischen seifenhersteller lever zu unilever. unilever übernahm schrittweise immer grössere anteile an lipton, und ist mittlerweile der alleinige eigentümer.

tees mit dem namen lipton werden heute in 150 ländern verkauft. sie decken fast unglaubliche 10% des weltweiten teekonsums.

lipton, der leidenschaftliche seegler

schon als junge sagte lipton, dass er sich nirgendwo so wohl fühle, wie auf dem meer, und das sollte sich bis an sein lebensende nicht ändern.

nicht zuletzt durch seinen wohlstand war es ihm möglich, sich mehrere segeljachten anzuschaffen.

er war von 1899 - 1930 fünfmaliger herrausforderer beim "america`s cup", konnte die regatta jedoch niemals gewinnen. der werbeeffekt war sehr wichtig für ihn, den seine marke profitierte sehr durch die teilnahme. seine segelschiffe trugen alle den namen "shamrock" (kleiner klee), und haben bezug zu seinen irischen wurzeln. das dreiblättrige kleeblatt ist das inoffizielle nationalsymbol irlands.

lipton verstarb 1931 im alter von 81 jahren. es wird gesagt, dass er seine sechste america`s cup teilnahme plante.

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