das alte ostindien – die weltgrösste anbauregion für tee

ostindien ist ein überholter begriff. bezeichnet wird damit ein gebiet, das heute in etwa südasien und südostasien entspricht. dieses alte ostindien ist der grösste teeproduzent. der teeanbau in den zu ostindien gehörenden ländern wurde insbesondere von briten vorangetrieben, aber auch von niederländern. weiterhin gab es bereits vor der kolonialisierung teeanbau, jedoch nur in geringem umfang.

wie ist die bezeichnung ostindien entstanden?

der begriff wurde vermutlich zu beginn der neuzeit (ab dem 15. jahrhundert) aus einer eurozentrischen sichtweise geprägt, also aus einer sichtweise, die europa als zentrum der welt sieht. vieles, was wir heute als allgemeinwissen ansehen, zum beispiel auch im bereich der geographie, war zu dieser zeit noch unbekannt und unentdeckt. vasco da gama hatte beispielsweise erst 1498 den seeweg nach indien entdeckt. die erde war noch nicht bis in die kleineste ecke kartographiert. aus damaliger, europäischer sicht, war die bezeichnung ostindien also durchaus nachvollziehbar.

blickt man aus europa richtung osten, guckt man in richtung ostindien. die karte veranschaulicht das:

snapshot von OpenStreetMap - veröffentlicht unter ODbL

grob kann man sagen, dass das alte ostindien vom heutigen pakistan bis zu den philippinen reichte. eine ganz genaue einteilung ist schwierig, aber in etwa kann man das gebiet auf der folgenden karte sehen:

snapshot von OpenStreetMap - veröffentlicht unter ODbL

welche länder gehörten zu ostindien?

folgende länder gehörten zu ostindien:
-pakistan
-indien
-nepal
-bhutan
-sri lanka
-bangladesh
-myanmar
-thailand
-kambodscha
-laos
-vietnam
-malaysia
-indonesien
-philippinen

mit ausnahme von siam, das in etwa dem heutigen thailand entspricht, und nepal, waren alle länder kolonialisiert. die heutigen bezeichnungen für dieses riesige gebiet wären in etwa südasien und südostasien. der alte begriff ostindien ist also nicht identisch mit dem östlichen teil des heutigen staates indien.

china, taiwan und australien wurden nicht zu ostindien gerechnet.

genauere einteilung von ostindien:

ostindien wurde wiederum in drei weitere regionen unterteilt:
-vorderindien
-hinterindien
-inselindien 

vorderindien:

vorderindien umfasste den kompletten indischen subkontinent (indien, bangladesch, bhutan, nepal, pakistan, sri lanka) + myanmar (früher burma/birma). ausser nepal, das nie direkt kolonialisiert wurde, waren alle genannten länder ganz oder teilweise britische kolonien. vorderindien war somit auch in etwa identisch mit britisch indien. kleinere teile vorderindiens gehörten zu frankreich (französisch indien) und portugal (portugiesisch indien).

hinterindien:

was aus eurozentrischer sicht hinter vorderindien lag, das war hinterindien (kambodscha, laos, malaysia, thailand, vietnam). teile von myanmar gehören zudem zu hinterindien und südöstliche randgebiete von indien und bangladesch.

inselindien:

inselindien umfasste das inselreich des malaiischen archipel, vor allem indonesien und die philippinen. malaysia hatte über seine gebiet auf borneo ebenfalls einen anteil. zudem gehörten die kleinstaaten brunei und singapur zu inselindien
niederländisch indien war in etwa identisch mit dem heutigen indonesien.
spanisch ostindien war in etwa identisch mit den heutigen philippinen.

um die gebiete in ostindien wurden viele kriege geführt, und die besitzverhältnisse änderten sich daher häufiger. als beispiel sei ceylon / sri lanka genannt: zuerst portugiesisch, anschliessend niederländisch, und dann bis zur unabhängigkeit britisch.

 

teeanbau in ostindien

man kann den teeanbau in ostindien in zwei bereiche unterteilen:

1. vorkolonialer teeanbau
2. kolonialer teeanbau

zu 1.: vorkolonialer teeanbau in ostindien

die teepflanze ist im alten ostindien beheimatet. eine der beiden arten (camellia sinensis assamica/csa) hat im gebiet von assam (indien), myanmar, thailand, laos, kambodscha, vietnam, yunnan (china) ihre heimat.

die andere art (camellia sinensis sinensis/css) hat vermutlich in yunnan (china) ihren ursprung (genau feststellen läßt sich das nicht mehr). möglicherweise überschneiden sich in yunnan die gebiete teilweise. css trat von hier aus ihren siegeszug vor mehreren tausend jahren nach china an. sie ist die mutter der großen teekulturen in china, später japan und korea.

csa wurde in ihrer heimat von den menschen zur zubereitung von tee genutzt, allerdings erreichte csa hier nie den stellenwert wie css in china; zudem wurde mit diesem tee nicht (oder nur wenig) gehandelt. außerhalb der vorkolonialen, ostindischen anbaugebiete, wußte kaum jemand von csa. der tee für indien wurde über die teestrasse aus china importiert. er stammte also nicht aus dem viel näher liegenden assam.

zu 2.: kolonialer teeanbau in ostindien

etwa um 1600 gelangte tee nach europa. er stammte fast ausschließlich aus china, sowie in kleineren mengen aus japan. dazu mehr im folgenden teil, wo über die ostindien kompanien und ihren handel geschrieben wird.

england wollte unabhängig vom fast monopol chinas beim teehandel werden, und so begann man, um 1835 im indischen assam tee zu produzieren. 1839 gelangte dann der erste tee von dort nach england. von assam ausgehend, verbreitete sich der koloniale teeanbau über das alte ostindien.

der koloniale teeanbau produzierte überwiegend schwarzen tee. der transport per segelschiff von ostindien nach europa dauerte mehrere monate. schwarztee ist durch die oxidation (früher fermentation genannt) deutlich haltbarer als nicht oxidierter, grüner tee. schwarzer tee überstand den langen transport also deutlich besser, und war für den export somit besser geeignet.

heute liegen in ostindien mehrere der wichtigsten teeproduzenten. herrausragend sind indien(weltweit platz zwei) und ceylon (platz vier) zu nennen, wo briten große mengen tee produzieren ließen, und indonesien (platz 5) wo der teeanbau auf niederländer zurückgeht. weitere anbaugrbiete mit britischem ursprung sind nepal, bangladesh, pakistan und malaysia. tee wird weiterhin in sehr vielen ländern des alten ostindiens angebaut: thailand, myanmar, laos, kambodscha…

ostindien ist der menge nach die größte teekammer der welt. die schwarztees von hier waren es, die die europäischen teekulturen in besondere weise prägten. 

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