polyphenole und catechine im tee

im zusammenhang mit tee wird oft von polyphenolen, catechinen, EGCG, usw. gesprochen. dieser artikel erklärt die begriffe einfach und verständlich. ein wenig zeit zum lesen muss man sich aber schon nehmen, denn das thema polyphenole & co. ist umfangreich, auch wenn lediglich der für teetrinker interessante teil beschrieben werden wird.

zunächst eine kurze aufgliederung der stoffgruppen:

1.) sekundäre pflanzenstoffe: sie bilden die obergruppe
2.) polyphenole: eine untergruppe der sekundären pflanzenstoffe
3.) flavonoide: eine untergruppe der polyphenole
4.) catechine: eine untergruppe der flavonoide
5.) epigallocatechingallat (EGCG): ein catechin

grafisch dargestellt:

Sekundäre Pflanzenstoffe 2 cut.jpg

die einzelnen stoffgruppen werden nun schrittweise erklärt:

zu1.) sekundäre pflanzenstoffe

die sekundären pflanzenstoffe bilden die oberste gruppe. hierunter werden viele substanzen zusammengefasst.

beispiele:

-phenolische verbindungen wie phenole und polyphenole. die polyphenole sind auf grund ihrer “antioxidativen aktivitäten” besonders interessant, und werden in diesem posting genauer beschrieben.
-isoprenoide verbindungen wie terpene, steroide, carotinoide. als beispiel für ein terpen im tee kann man die ätherischen öle nennen.
-alkaloide wie koffein, nikotin, atropin. das koffein war bereits im tee-fokus beschrieben worden.

sekundäre pflanzenstoffe kommen nur in pflanzen vor, zudem nur in geringen mengen. sie sind nicht -primär- für den pflanzlichen stoffwechsel notwendig.

allerdings sind sie für eine reihe wichtiger -sekundärer- funktionen notwendig, woher sich auch ihr name -sekundäre- pflanzenstoffe ableitet.

es sind ausgesprochen viele sekundäre pflanzenstoffe bisher entdeckt worden (die deutsche gesellschaft für ernährung nennt 100.000), wovon 5.000 – 10.000 in der menschlichen nahrung vorkommen. man kann davon ausgehen, dass in zukunft weitere dazukommen werden.

warum bilden pflanzen diese sekundären stoffe, wenn sie primär unwichtig sind für sie?

sie haben folgende, bisher bekannte aufgaben für pflanzen:
-abwehr von pflanzenkrankheiten
-abwehr von fressfeinden
-schutz vor sonnenlicht
-schutz vor wasserverlust
-festigung der pflanze
-lockstoffe für z.b. insekten (bestäubung)

viele sekundäre pflanzenstoffe, die über die nahrung aufgenommen werden, haben auch schutzfunktionen im menschlichen körper, wie zum beispiel:
-stärkung des immunsystems/erregerabwehr
-blutdrucksenkung
-verdauungsförderung
-cholesterinsenkung
-hemmung von zellentartung
-entzündungshemmung

sekundäre pflanzenstoffe können aber auch giftig für den menschen sein.
beispiele:
nikotin (tabak) oder
atropin (tollkirsche)

tollkirsche, früchte.JPG
tollkirschen

in camellia sinensis, der teepflanze, sind -keine- für den menschen hoch giftigen stoffe enthalten. koffein ist als alkaloid in üblichen dosierungen für erwachsene nicht toxisch.

zu 2.) polyphenole

die zu den phenolischen verbindungen gehörenden polyphenole bilden eine untergruppe der sekundären pflanzenstoffe, und haben daher viele der bereits dort beschriebenen eigenschaften. sie gehören zu den gerbstoffen (tanninen), wobei der begriff beim tee irreführend ist, denn er wurde nie zum gerben von leder eingesetzt. er besitzt lediglich beim nachweis im labor gleiche färbeeigenschaften wie die wirklichen gerbstoffe (zum beispiel in der eichenrinde), daher die einordnung.
polyphenole sind bittere substanzen, die der abwehr von fressfeinden dienen, und im tee für die mehr oder weniger herbe geschmackskomponente verantwortlich sind. sie besitzen zahlreiche gesundheitlich positive aspekte.

zur erklärung: es wird gerne der polyphenolgehalt von anderen pflanzen im vergleich zum echten tee angeführt. beispielsweise hat cistus incanus, die zistrose, einen höheren gehalt an polyphenolen, aber es sind andere als im tee. also eigentlich ist das der berühmte vergleich von äpfeln und birnen.

zu 3.) flavonoide

die flavonoide bilden eine untergruppe der polyphenole, und machen 20-30% der trockenmasse beim tee aus.
sehr viele bekannte heilpflanzen haben einen hohen gehalt an flavonoiden. beispiele: arnika, ginkgo, mariendistel, weissdorn, kamille, und viele, viele andere.

flavanole
bilden eine untergruppe der flavonoide; werden hier nicht weiter erklärt.

zu 4.) catechine (zu den flavanolen gehörend)

der name kommt von einer akazienart, die sich “acacia catechu” nennt.

sie bilden mit 70 – 80% die grösste untergruppe der flavonoide.

catechine sind für viele der positiven gesundheitlichen aspekte im tee verantwortlich. weit verbreitet ist die ansicht, dass sie besonders im grünen und weissen tee enthalten sind.

im schwarztee werden sie durch oxidation/”fermentation” teilweise zu theaflavinen und thearubigenen umgewandelt. diese substanzen sind bisher bei weitem nicht so eingehend wie die catechine erforscht worden. die untersuchungen, die durchgeführt wurden, zeigen jedoch, dass theaflavine und thearubigene eine catechinähnliche wirkung haben. teilweise sind sie sogar effektiver in ihrer wirkung auf den menschlichen organismus sind.

zudem liegt eine studie vor, die zwei darjeeling schwarztees sowie einem ceylon schwarztee, ähnlich hohe catechingehalte incl. egcg bescheinigt, wie den mituntersuchten grüntees (link zur studie, tabelle 2).

hochwertige schwarztees scheinen also durchaus in diesem bereich mit grüntees vergleichbar zu sein, und sie besitzen zusätzlich noch theflavine/thearubigene, was die gute gesundheitliche wirkung von schwarztee erklärt.

teeernte

also nicht nur der viel beschriebene grüntee ist ein gesundheitlich hochwertiges getränk, sondern auch weisser tee ist dazuzurechnen, und bestimmte schwarztees ebenfalls. gerade letzeres wird viele überraschen.

bei den catechinen sind im besonderen die folgenden vorzufinden:
-EC = epicatechin
-ECG = epicatechin-gallat
-EGC = epigallocatechin
-EGCG = epigallocatechingallat -> das wichtigste catechin in der teepflanze

zu 5.) epigallocatechingallat (EGCG)

das EGCG ist das catechin, das mengenmässig im grünen, weissen, sowie manchen schwarzen tees, am häufigsten vorkommt. es ist gut erforscht, und ihm werden eine vielzahl von gesundheitlich positiven eigenschaften nachgesagt. wenn alle behauptungen zutreffend wären, wäre EGCG fast ein allheilmittel. man muss daher eine gewisse skepsis manchen forschungsergebnissen gegenüber haben, was aber allgemein für studien gilt.
allerdings hat dieses catechin bewiesene medizinische wirkungen. hierfür sei nun exemplarisch der fall von dr. werner hunstein angeführt.

EGCG

hunstein war ursprünglich überzeugter schulmediziner, also eher kein freund von naturheilkundlichen therapieansätzen. 2004, im alter von 76, wurde bei ihm die seltene amyloidose diagnostiziert.

die krankheit gilt als unheilbar, und versuchsweise wurden chemotherapien bei ihm eingesetzt. ab 2006 galt hunstein jedoch als austherapiert. anders ausgedrückt: bestanden keine schulmedizinischen behandlungsmöglichkeiten mehr. der baldige tod wäre die folge gewesen.

er begann dann grünen tee zu trinken, da ihm eine studie vorlag bei der nachgewiesen wurde, dass EGCG ablagerungen von amyloiden verhindert, sie teilweise sogar auflöst. dieses catechin konnte also der studie nach das, was die cheomotherapien nicht konnten bei hunneke, sprich seine erkrankung behandeln.
mit 2l grüntee pro tag (später nahm er auch grüntee-kapseln) begann sich hunsteins zustand deutlich zu bessern! 2009 musste er wegen anderer erkrankungen den grüntee zeitweilig absetzen, was eine deutliche verschlechterung der amyloidose zur folge hatte. nach wiedereinsetzen der behandlung, konnte der rückfall gestoppt werden.

der komplette verlauf seiner krankheit wurde von anderen ärzten beobachtet, ist also sicher belegt. die wirksamkeit der therapie mit grüntee gilt mittlerweile als bewiesen.

man kann hier ohne jeden zweifel erkennen, welche therapeutische kraft in camellia sinensis steckt.

es existieren viele weitere, seriös erscheinende studien, die der teepflanze ebenfalls medizinische wirkungen bescheinigen.

das “bundesministerium für bildung und forschung” hat besipielsweise eine studie veröffentlicht, bei der es um die behandlung der tückischen “multiplen sklerose” mit EGCG geht.

zitat:
“Grüner Tee könnte eine neue Therapieoption für Patienten mit Multipler Sklerose liefern. Ein Inhaltsstoff bremst offensichtlich den chronischen Entzündungsprozess im zentralen Nervensystem, der für die Erkrankung typisch ist.”
quelle

amyloidose und multiple sklerose sind schwere und seltene erkrankungen, die glücklicherweise nur relativ wenige menschen betreffen.

sehr viel häufiger sind herz-kreislauf-erkrankungen oder zellentartungen. auch hier gibt es eine ganze reihe von studien, die EGCG einen positiven behandlungseffekt bescheinigen.

besser ist es natürlich, im vorfeld von krankheiten tätig zu werden, sie also soweit möglich, gar nicht erst entstehen zu lassen. den teilweise gentisch bedingten alterungsprozess kann natürlich niemand vollständig aufhalten, allerdings kann man ihn verlangsamen. gerade hier kann regelmässiger, täglicher teekonsum einen wichtigen beitrag leisten.

dass es nicht zwangläufig grüner tee sein muss, sondern auch weisstee und hochwertiger schwarztee, war in diesem beitrag bereits geschrieben worden. man kann das spektrum aber getrost noch erweitern um gelben tee, puerh und oolong, die ebenfalls von der teepflanze stammen, und lediglich etwas anders hergestellt werden.

genuss und gesundheit passen also durchaus zusammen!

hund00021