tee in indien: nilgiri – ein wenig bekanntes anbaugebiet

indien ist bekannt für guten schwarztee, und besonders populär sind die tees aus assam und darjeeling. allerdings gibt es weitere anbaugebiete in indien.

wo liegen die nilgiri berge?

es sind drei grosse gebirgszüge, die indien in ein dreieck aufteilen:

im norden der himalaya, im osten die ostghats, und im westen die westghats.

in den ausläufern der westghats, im “unteren”, südlichen zipfel indiens, liegen die blauen berge, wie man die nilgiris auch nennt. sie erstrecken sich über die bundesstaaten “tamil nadu” und “kerala”, die höchste erhebung ist der “doddebatta” mit mehr als 2.600 m.

die blauen berge

für die bezeichnung "blaue berge" gibt es zwei erklärungen:

die eine bezieht sich auf den bläulich erscheinenden dunst, in den die berge teilweise gehüllt sind.

die andere nennt einen strauch, der "kurunji" (strobilanthes kunthiana) in den nilgiris genannt wird. er blüht lediglich alle 12 jahre, und hüllt die berge dann in ein meer aus blauen blüten.

hauptort ist das auf 2250 m gelegene “udagamandalam” mit heute ca. 95.000 einwohnern. udagamandalam und umgebung wurden ursprünglich vom volk der toda besiedelt. zu beginn des 19. jahrhunderts kam im auftrag der west-indien-company john sullivan in die nilgiris. er erwarb um 1820 ein grundstück von den toda, errichte dort sein steinhaus, holte frau und kind nach. andere engländer folgtem seinen beispiel, und langsam wurde der name anglisiert/verballhornt zu “ooctamund”, oder kurz “ooty”. sullivan erkannte das landwirtschaftliche potential dieser gegend, und begann mit dem anbau “englischer” produkte wie kartoffeln und gerste. er hat in den nilgiris ein vermögen gemacht, der teeanbau geht jedoch nicht auf ihn zurück.

teeanbau in den nilgiri bergen

erste teepflanzen wurden 1832 von einem englischen arzt in china bestellt. ihm war aufgefallen, dass die mit dem teestrauch nah verwandten zierkamelien, sehr gut im klima der berge wuchsen. 1835 wurde eine versuchsfarm mit diesen pflanzen angelegt. der arzt selbst verstarb allerdings, bevor die teepflanzen die nilgiris erreichten.

nach einem eigentlich erfolgreichen anbau um 1855, der lediglich eingestellt werden musste, da kein umliegendes land zur vergrösserung erworben werden konnte, wurde dauerhafter teeanbau dann ab 1859 in den heute noch bestehenden teegärten thiashola und dunsdale betrieben.

zwischzeitlich wurde auch kaffee in den nilgiris angebaut, aber ähnlich wie auf sri lanka/ceylon, war der versuch nicht erfolgreich.

das frische bergklima ist auch im sommer sehr angenehm, und so kam es, ähnlich wie in darjeeling, dass die briten ooty als “hillstation” nutzen. zuerst, um kranke soldaten in sanatorien unterzubringen, später auch als “sommerfrische” für die kolonialverwaltung, die der drückenden sommerhitze madras` entgehen wollte, und jährlich drei monate von ooty aus arbeiteten.

der an- und abtransport von menschen und waren war zunächst sehr mühevoll, und teilweise mussten elefanten hierfür eingesetzt werden. man begann daher mit dem äusserst komplizierten bau einer bahnlinie bis nach ooty. die nilgiri mountain railway wurde 1899 fertig gestellt, und ist die einzige indische zahnradbahn. wie die darjeeling himalayan railway, ist auch sie ins welkuturerbe aufgenommen worden.

heute wird um ooty, das wie bereits erwähnt auf 2250 m liegt, praktisch kein tee mehr angebaut. der höchst gelegene teegarten in den nilgiris ist mittlerweile “dunsdale” auf gut 1.800 m. es erfordert weniger aufwand, in tieferen lagen anzubauen.

der teeanbau in den blauen bergen liegt von beginn an in der hand kleiner und mittlerer gärten. begünstigt durch das passende subtropische hochland klima, wächst die teepflanze zudem sehr gut in den nilgiris. bereits ab januar können gute first flush geerntet werden, und es waren lange jahre auch gute verarbeitete qualitäten die von hier kamen. ende der 1960er jahre wurde dann sehr viel tee in die ehemalige udssr geliefert. dort wurden auch durchschnittliche qualitäten gekauft, denn für den samowar braucht man nicht zwangsläufig spitzenprodukte. mit den politischen veränderungen in der sojetunion und der damit einhergehenden zahlungsschwäche, wurden jedoch immer mehr billige tees in den nilgiris produziert, und unter diesem ruf haben die teeproduzenten heute noch zu leiden.

ob die nilgiris nun tatsächlich wie high grown teas aus ceylon/sri lanka schmecken, oder doch eher wie feinherbe second flush darjeeling, oder ob es nicht doch eigenständige sorten sind, soll jeder selber entscheiden.

guten nilgiri probieren ist eine vorraussetzung dafür.

hund00021