Interview mit Teehändler Gerhard Biel

autor: anneke gerrets

Moin moin, könntest Du Dich bitte kurz vorstellen?

Wie das Leben so aus Zufällen besteht, habe ich 1985 aus einer damals noch Konkursmasse einen Tee-und Bioladen übernommen. Eigentlich bin ich ausgelernter Möbeltischler und Baustoffhändler und habe danach viele andere Berufe ausgeübt. Zuletzt hatte ich eine Intellektuellenkneipe geführt, die mich auf den Weg des Tees brachte.
 
 
Wie lange trinkst Du schon Tee?
 
Wie gesagt habe ich mich ab 1985 intensiv mit Tee beschäftigt, davor war es für mich nur ein Heißgetränk.
 
Die ostfriesische Teekultur ist hinreichend bekannt. Was macht die nordfriesische Teekultur aus?
 
Die typische Ostfriesen Teekultur ist im wesentlichen ein starker Tee, der mit Kluntje-Kandis und Sahnewölkchen aus kleinen Teetassen getrunken wird.
Bei uns in Nordfriesland hingegen ist die Vielfalt der Teesorten gefragt. Viele Mischungen und Teekreationen haben sich durch den Tourismus weltweit verbreitet. Hier im höchsten Norden wird weniger der starke Tee getrunken; wir haben es lieber etwas leichter, blumiger, aromatischer. Immer wieder wird die Vielzahl der angebotenen Teesorten bewundert und natürlich auch gekauft und versendet.
 
Was umfasst Dein Sortiment alles?
 
Zur Zeit sind es ca. 520 Teesorten/Arten, das ändert sich aber ständig, da wir unsere Teesorten alle selber in unserem Zentrallager herstellen. Wir beziehen aus verschiedenen Quellen nur die Rohware, aus der die verschiedenen Tees nach eigener Rezeptur täglich zusammengestellt werden, wie Schwarztee/Grüntee, Friesenmischungen, Schwarztee-Aromatee, Früchtetee, Kräutertee, Rotbuschtee, Grüntee-Aromatee, Gewürztee und viele Monokräuter; neben den klassischen Original-Pflückungen wie Afrika, Assam, Ceylon, China, Darjeeling, Formosa, Südindien. Eben fast Tee aus aller Welt. 
 
Wie sieht für Dich ein typischer „Tee-Tag“ aus, von morgens bis abends?
 
Der ist sehr vielfältig. Wenn ich nicht gerade (eher selten) im Büro am Schreibtisch sitze, ist jeden Tag erst einmal neben Teekontrolle, Teeverkostung und Tee-Neuentwicklung unter anderem auch Teemischen angesagt. Oft stehe ich auch selber in unseren Teeläden, mache Dienst am Kunden und schaue nach dem Rechten.
Einmal in der Woche fahre ich nach Hamburg, um Waren von unseren Lieferanten abzuholen und den persönlichen Kontakt zu pflegen, was meiner Meinung nach sehr wichtig ist.
 
Wie trinkst Du Deinen Tee am liebsten?
 
Ich trinke am liebsten Darjeeling-Tee und das nur ohne Zuckerzugabe, obwohl ich einem schön weichen und vollmundigen Assam, diesmal mit braunem Kandis und einem Schuss Sahne nicht abgeneigt bin. Oder aber auch einen tippigen Ceylon, der durch seine Weichheit eine Zugabe von Milch und Zucker erübrigt.
 
Welche Tees (schwarz, grün, andere) würdest Du einem Tee-Einsteiger empfehlen?
 
Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten, da hier der Geschmack des Tee-Einsteigers entscheidend ist. Aus meiner fast 30-jährigen Teefachgeschäft-Erfahrung kann ich berichten, dass die meisten jungen Tee-Einsteiger mit Früchtetee, aromatisierten Schwarzteesorten und Rotbusch-Aromatees anfangen. Erst dann kommen die rein klassischen Teesorten, auch Grüntee, in die nähere Auswahl. Ältere Kunden greifen da schon gezielter zu den Friesenmischungen, oder ca 50 % zu unseren Aroma-Teesorten durch das gesamte Sortiment, oder sind reine Kräutertrinker.
Jeder Neu-Teetrinker sollte sich am Besten über kleine Teeproben an den eigenen Geschmack herantasten, oder, wenn es möglich ist, in Teefachgeschäften, die auch Teeverkostungen anbieten, sich durch jede Teeart einmal durchzuprobieren. Aber bitte alles im Rahmen lassen, sonst wird man schnell als Schnorrer abgestempelt.
 
Vielen Dank für das Interview.
 
www.teekontor-nf.de
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