grüner tee aus japan und schwarzer tee aus darjeeling – ein vergleich

english article: click here

kann man den geschmack von grünem und schwarzem tee überhaupt miteinander vergleichen? kaum, und daher geht es in diesem beitrag auch überwiegend um den teeanbau und die verarbeitung in darjeeling und japan. es gibt auch keinen verlierer oder gewinner, aber der interessierte teefreund findet für sich ein paar infos, die er vorher womöglich nicht kannte.

tee in darjeeling

aus darjeeling kommt der beste tee indiens. für viele teefreunde sind first flush und second flush die besten schwarztees überhaupt. aus dieser sichtweise stammt auch der häufig zitierte schaumweinvergleich:

"darjeeling, der champagner unter den tees"

besonders geschätzt werden von vielen teekennern unvermischte tagesernten (invoices) oder gartentees. zudem werden die ernten aus hoch gelegenen teegärten hoch geachtet. es gibt in darjeeling lagen auf über 2.000 meter. hier kann die sonne einerseits sehr gut auf die blätter einwirken, andererseits sorgen die rel. kühlen temperaturen für ein langsames wachstum. zwei faktoren, die mit zu gutem tee beitragen.

geerntet wird ausschliesslich von hand. nur so können genau die oberen zwei blätter und die blattknospe eingebracht werden, die für höchste qualität notwendig sind.

two leaves and the bud - zwei blätter und die blattknospe
two leaves and the bud

werden tees aus verschiedenen ernteperioden und/oder teegärten vermischt, bezeichnet man diese teesorten als blend oder teemischung. sie werden oft pauschal als geringwertiger eingestuft. ähnlich sieht es aus, wenn tees verschiedener indischer anbaugebiete gemixt werden, zum beispiel aus darjeeling und assam. 

die aus kleinen bestandteilen bestehenden tees  in form von fannings und dust, die bei der herstellung zwangsläufig  entstehen, sind von der wertschätzung her bei vielen sehr weit unten angesiedelt. sie kommen überwiegend in teebeutel, oder werden preiswert auf dem einheimischen markt verkauft. anspruchsvolle teetrinker meiden diese schwarzen tees oft.

an dieser wertschätzungsordnung ist natürlich manch wahres dran, allerdings bergen invoices und gartentees auch nicht zu unterschätzende risiken. je nach klima kann es passieren, dass man relativ schlechte tees bekommt. regnet es zum beispiel zuviel oder zu wenig, der tee kann sich also wetterbedingt nicht wie gewünscht entwickeln, und schon ist die qualität schwächer als erwartet.

über mischungen kann man das problemlos ausgleichen. wichtig ist dabei, dass keine wirklich schlechten tees untergemischt werden.

tee in japan

ähnlich wie darjeeling beim schwarzen tee, ist japan beim grünen tee eine der besten anbauregionen.

für manchen teetrinker ist japan der beste produzent von grüntee.

wer sencha, gyokuro oder matcha kennt weiss auch, dass japanischer tee zurecht eine solch hohe wertschätzung geniesst. durch das teilweise intensive umami aroma, besitzt er ein gewisses alleinstellungsmerkmal beim tee. es haben ausserhalb japans nur wenige sorten diese geschmacksrichtung. weiterhin ist das künstliche beschatten der teefelder für gyokuro, tencha (der ausgangstee für matcha) und kabusecha einmalig.

japan hat eine alte, hoch verfeinerte teekultur, die in ihrer art einzigartig ist. 

man könnte nun vermuten, dass auch hier gartentees und handernte als qualitätsmerkmal gelten, und möglichst hohe regionen für den anbau gewählt werden. das ist aber erstaunlicherweise nicht so.

japanischer tee
japanische teesräucher

geerntet wird grösstenteils nicht per hand, sondern mit teilweise mähdrescher grossen erntemaschinen. japan ist ein industrieland mit hohen löhnen, und teepflücker sind teuer. das hat dazu geführt, dass technische hilfsmittel bei der ernte eingesetzt werden. lediglich absolute spitzentees werden rein von hand geerntet.

die teegärten liegen zudem nicht durchgehend in bergigen höhenlagen, sondern auf niederungen und ebenen feldern. die teebüsche sind oft in geraden linien angepflanzt, und erinnern ein wenig an hecken. so können die pflanzen mit maschinen abgeerntet werden.

viele tees, auch hochwertige, sind zudem keine gartentees oder gar tagesernten, sondern gemischte tees aus verschiedenen gärten. der teeanbau liegt in japan zu einem grossen teil in der hand von kleinbauern. diese ernten den tee, verarbeiten ihn danach aber nur zu aracha, dem rohtee. dieser rohtee wird dann von grösseren handelshäusern aufgekauft und zum endtee weiterverarbeitet. dabei werden die ernten vieler verschiedener teebauern gemischt. sie sind somit nichts anderes als blends oder teemischungen.

die krümel, die auch bei der produktion der japanischen tees anfallen, werden als konacha (krümeltee)  verkauft, und erzielen je nach qualität des ausgangstees, verhältnismässig hohe preise. das gegenstück beim schwarztee wären die fannings und dust tees. 

interessant auch: die sonst so geschätzten blattknospen, die buds, werden in japan teilweise aussortiert, und ebenfalls gesondert verkauft. allerdings nicht als gehobener tee, sondern als nebentee, ähnlich dem konacha/krümeltee. reine knospentees, die man in china zum beispiel herstellt, sind teure raritäten.

rein nach den anbau- und verarbeitungsmethoden, wäre japanischer tee also vielfach eigentlich kein spitzenprodukt, zudem werden krümel in form von konacha relativ teuer angeboten, zumindest im vergleich zu dust und fannings aus darjeeling (die meist in billigen teebeuteln landen).

invoice, gartentee, oder doch lieber ein blend?

es gibt verschiedene wege, um guten tee herzustellen. darjeeling macht es auf die eine art, japan auf eine andere. gerade die handernte ist als allgemeingültiges qualitätsmerkmal zu sehen. ähnlich macht man es in china, und auch in japan wird es bei den hochpreisigen sorten so gemacht.

man kann allerdings auch mit einer technisch hoch entwickelten maschinenernte gute ergebnisse erzielen. es sind aber kostenfaktoren, die zu dieser lösung führen, keine qualitätsfaktoren.

zudem sollte man seine meinung zu blends überdenken. in japan werden spitzentees durch blending/vermischen hergestellt, und genau so kann man auch gute blends in darjeeling und ganz indien produzieren.

entscheidend ist, dass gute qualitäten verwendet werden, und dem geniesser der tee schmeckt. 

 

hund00021