die gewürzroute – wie portugal den seeweg nach indien entdeckte

der seeweg nach indien wurde 1498 von portugal entdeckt, und portugiesen beherrschten diese route auch für die nächsten 100 jahre. die wichtigsten Waren, die auf diesem weg transportiert wurden, waren zunächst gewürze, weshalb diese route auch “gewürzroute” genannt wird.

portugiesen haben mit der schrittweisen erkundung dieses handelswegs extreme wichtige pionierarbeit geleistet, ohne die der teehandel per schiff ab etwa 1600 nicht hätte entstehen können.

grund genug, sich diese meisterleistung der schifffahrt genauer anzusehen.

im folgenden wird häufiger von ostindien die rede sein. was darunter zu verstehen ist, war bereits im artikel "das alte ostindien - die weltgrösste anbauregion für tee" ausführlich beschrieben worden.

exotische gewürze - wertvoll wie gold

europäischen handel mit ostindien und china gab es natürlich bereits vor der entdeckung des seeweges nach indien. die Waren wurden über karawanen, bzw. einer kombination aus karawanen und seewegen, antransportiert. auch über die “seidenstrasse”, ein netz verschiedener fernhandelswege, gelangten gewürze nach europa.

an diesem handel über tausende von kilometern waren viele zwischenhändler beteiligt, und jeder wollte gutes geld dabei verdienen. die folge war, dass exotische gewürze zum teil mit gold aufgewogen wurden, also extrem teuer waren.

ein beispiel, wie pfeffer nach europa kam, ehe der seeweg nach indien entdeckt wurde: pfeffer war zunächst nur in südwest-indien heimisch. der weg zur zeit der römer von hier nach europa sah zum beispiel so aus, wie auf der karte zu sehen:

den sueskanal, der das rote meer mit dem mittelmeer verbindet, gab es damals natürlich noch nicht.
aber egal, wie die waren nach europa gelangten, portugal war an diesem lukrativen fernhandel nicht beteiligt.

der vertrag von tordesillas

1494 war im “vertrag von tordesillas” die welt in zwei gebiete zwischen spanien und portugal aufgeteilt worden. spanien bekam den teil richtung amerika, portugal den teil richtung afrika und ostindien. die folgen sind bekannt: spanien erkundete und eroberte insbesondere lateinamerika, portugal erforschte die küste von afrika und ostindien. ohne diese aufteilung wäre es recht sicher zu kriegerischen konflikten zwischen den beiden führenden seemächten gekommen, was man mit dem vertrag vermeiden konnte.

ohne konkurrenz ersegelte portugal nun schritt für schritt die unbekannten gebiete an afrikas küsten.

1498 gelang es dann schliesslich vasco da gama, ganz afrika zu umsegeln und indien zu erreichen. der seeweg nach indien war entdeckt.

nachdem die portugiesen an mehreren punkten in vorderindien stützpunkte etabliert hatten, drangen sie weiter nach hinterindien und inselindien vor. zudem kamen sie in kontakt mit china (ab 1513) und japan, den beiden wichtigen teenationen. 1559 wird zum ersten mal über tee von einem portugiesen aus china geschrieben. aus japan berichtet einige jahre später (1565) ein portugiesischer missionar über “cha”, ein kraut, das mit wasser getrunken wird, und das, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, eigentlich recht lecker ist.

nennenswerter teehandel richtung europa wurde zu dieser zeit noch nicht betrieben, aber es dürften bereits kleinere mengen an den portugiesischen königshof gelangt sein. katharina von braganza, die portugiesin, war es dann ja auch, die den tee nach england brachte, und ihn dort populär machte.

pfeffer, zimt, muskat und nelken

wichtiger waren zunächst die in europa heiss begehrten gewürze. sie wurden nicht nur als geschmacksverbesserer beim kochen verwendet, sondern auch zum konservieren, als medikamente, anästhetika, aphrodisiaka und parfüm.

die vier wichtigsten exotischen gewürze, auch "die edlen vier gewürze" genannt, waren zu dieser zeit pfeffer, zimt, muskat und nelken:

pfeffer wurde, wie bereits geschrieben, in südwest-indien angebaut. hier landete vasco da gama 1498.

zimt wuchs damals ausschliesslich in ceylon, das 1505/1506 von den portugiesen okkupiert wurde.

schwieriger war es bei muskat und nelken. es war mehr oder weniger geheim, wo diese beiden gewürze wuchsen. nur wenige händler wussten davon, und die behielten ihr wissen für sich. erst 1512 gelang es daher den portugiesen, die molukken, auch gewürzinseln genannt, einzunehmen. nur hier wuchsen endemisch nelken (auf ambon) und muskat (banda inseln).

alle diese gewürze sind heute gebräuchlich zur herstellung von indischem masala chai.

portugals allmählicher niedergang in ostindien

die spanier waren über den vertrag von tordesillas verpflichtet, sich von der gewürzroute fernzuhalten - aber da waren ja auch noch die seefahrernationen in den niederlanden und england. in den folgenden jahrzehnten, eigentlich jahrhunderten, stritten diese nationen erbittert um ostindien und china.

die gewinne, die portugal über ostindien erwirtschaftete, waren einzig privat für den könig bestimmt. durch misswirtschaft, prunksucht, korruption und die kriege verschiedener portugiesischer herrscher, geriet portugal gegenüber den niederländern und briten immer weiter ins abseits.

ab etwa 1600 dominierten in ostindien zunächst die niederlander, die wiederum von den briten abgelöst wurden.

ab 1600 beginnt dann auch die geschichte der ostindischen handelsgesellschaften und deren handel mit tee...

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