die familie twining – tee seit 1706

twining verkauft seit 1706 in london tee. es ist somit das älteste teehandelshaus in europa. mehr als 300 jahre sind eine beachtliche leistung, wenn auch nur relativ. tsuen, japans ältestes teehaus, besteht seit 1160.

allerdings ist der vergleich nicht ganz fair, denn man muss dabei bedenken, dass der tee erst um 1600 nach europa gelangte, während er in japan sehr viel früher bekannt war. in europa konnte man also im teehandel gar nicht sehr viel eher tätig werden. alle achtung daher vor dieser mehr als 300 jährigen beständigkeit!

mit stephen twining ist derzeit die 10. generation im teehaus aktiv, wenn auch nur noch als angestelter. dazu aber später mehr.

der firmengründer war thomas twining.

thomas twining (1675 - 1741)

geboren in painswick (grafschaft gloucestershire), zog er 1684 mit seinen eltern in das rund 160 km entfernte london.

er war zunächst weber, erhielt 1701 dann den titel “freeman of the city of london”. erst dieser titel ermöglichte selbständigen handel. etwa zu dieser zeit hatte thomas twining sich auch einem neuen geschäftsfeld zugewandt: dem teehandel. die britische ostindien kompanie importierte eine vielzahl neue waren aus ostindien und china. tee gehörte zu den besonders beliebten artikeln, seit katharina von braganza (die frau des damaligen englischen königs) 1662 die teekultur in england eingeführt hatte.

1706 kaufte er “toms coffe house”, strand 216, london. tom geht dabei auf den vorbesitzer thomas d'aeth zurück, nicht auf thomas twining.

wie der name sagt, war es zunächst ein kaffeehaus in dem kaffee getrunken wurde. man konnte hier jedoch auch tee trinken und kaufen. die tees, insbesondere die blends, genossen schnell einen ausgezeichneten ruf, und bald machte der verkauf von teeblättern für den heimgebrauch den grössten teil des geschäfts aus.

das kaffeehaus lief ausgesprochen gut, und bis 1717 kaufte lipton drei angrenzende immobilien, woraus er dann das teegeschäft machte, das heute noch existiert.

nicht zuletzt durch hohe steuern war tee zu diesem zeitpunkt noch eine sehr teure handelsware. thomas hatte es jedoch geschafft, sich viele mitglieder aus adel und upperclass zu kunden zu machen, und konnte teilweise extrem hohe preise für seine tees erzielen.

ein weiteres wichtiges mitglied der dynastie war richard twining, der enkel von thomas.

richard twining (1749–1824)

richard konnte erfolgreich das fortsetzen, was sein grossvater und vater begonnen hatten. er baute den teehandel weiter aus, und er pflegte intensive beziehungen zu den adeligen, politikern und reichen londons.

die steuer auf tee betrug zu diesem zeitpunkt unglaubliche 119%. nur wenige waren in der lage, diese hohen preise  auch zu bezahlen. andererseits war die nachfrage nach dem köstlichen aufguss enorm hoch. das führte dazu, dass der teeschmuggel extreme ausmaße angenommen hatte. beispielsweise importierten die dänische und schwedische ostindien-kompanie im 18. jahrhundert zeitweise mehr tee als die englische ostindien-kompanie. zu 90% wurden diese tees illegal nach england geschmuggelt.

richard twining hatte gute kontakte zu politikern, so auch zum gerade 24 jahre alten premierminister william pitt (der jüngere). sie trafen sich häufiger, und auf ratschlag von twining führte pitt ein “commutation act” genanntes gesetz ein, das die teesteuer von 119% auf 12,5% herabsetzte.

der erfolg war augenblicklich: der schmuggel brach über nacht zusammen, tee wurde verzollt, und trotz der herabsetzung der steuer wurde mehr geld vom englischen staat eingenommen. zudem war der tee aus der grauzone des schmuggels herausgekommen, und konnte nun offiziell zu erschwinglichen preisen gekauft werden. dass das teehaus twining ebenfalls von diesem gesetz profitierte, versteht sich von alleine.

 

der teehandel wurde von generation zu generation weitervererbt, und twining wuchs und wuchs. der tee wird heute in 115 ländern angeboten. die 9. genertion verkaufte 1964 das unternehmen an “associated british foods”, ein britisches unternehmen, das international tätig ist. der schwerpunkt liegt bei lebensmitteln.

allerdings ist stephen twining in der 10. generation im unternehmen tätig. er ist als eine art “teebotschafter” für das haus tätig. stephen hat ahnung, und zudem merkt man ihm an, dass er eine (angeborene) leidenschaft für tee besitzt...

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