die BEIC – die britische ostindien-kompanie

die britische ostindien-kompanie (britisch eastindia-company / BEIC) wird teilweise im englischen auch verkürzt nur als east india company / EIC bezeichnet. dass es eine ganze reihe weiterer ostindien-gesellschaften gab, war im artikel “das casa da india und die ostindienkompanien - ein überblick” bereits geschrieben worden. dass “die VOC - die niederländische ostindien-kompanie”, die evtl. erfolgreichste dieser gesellschaften war, war auch bereits im tee-fokus zu lesen.

lediglich von “east india kompanie / EIC” zu sprechen, wenn man den britischen ableger meint, ist zu ungenau und könnte zu verwechslungen führen. 

eine neue tee epoche beginnt

die BEIC war die mit abstand wichtigste kompanie für den anbau, handel und die popularisierung von tee. ohne die BEIC sähe die heutige teewelt anders aus. es gäbe keine tees aus darjeeling, assam, nilgiri, ceylon/sri lanka, malaysia … , und es gäbe keine britische teekultur, keine ostfriesische teekultur, und es gäbe auch die indische teekultur in ihrer heutigen form nicht.

die BEIC und grossbritanien haben enorm grossen einfluss auf die verbreitung von tee in europa genommen.

aber der reihe nach.

gegründet wurde die BEIC 1600. sie war vom aufbau her nicht wesentlich anders als die VOC / die niederländische ostindien kompanie. daher das zitiat aus dem artikel “das casa da india und die ostindien-kompanien - ein überblick”:

“die ostindien-kompanien, insbesondere die beiden grössten aus england und holland, waren anders organisiert (als das königliche casa da india): hier waren es nicht die regenten des landes, die den handel organisierten, sondern kaufleute. allerdings erhielten die kaufleute freibriefe, die sie ermächtigten, ähnlich wie regenten zu agieren. sie konnten frei handeln, kriege führen, münzen prägen, verträge eingehen mit einheimischen regenten, gesetze erlassen, gericht halten. zudem erhielten sie das handelsmonopol für ostindien und angrenzende länder. “staat im staate” beschreibt die machtfülle der gesellschaften treffend, denn die kompanien hatten staatliche/königliche hoheitsrechte. hierüber lässt sich u.a. erklären, warum die ostindiengesellschaften zunächst so erfolgreich waren.”

die grenzen der BEIC waren identisch mit den grenzen der niederländischen ostindien-kompanie. sie erhielten beide das monopol beim handel mit den ländern östlich vom kap der guten hoffnung und westlich der magellanstrasse:

die niederlande kolonialisierten “niederländisch indien” (heute indonesien) mit den gewürzinseln, die briten vorderindien/britisch indien (heute u.a. indien, pakistan, bangladesch).

chinesischen tee handelten beide gesellschaften, kauften ihn aber unterschiedlich ein:

-die VOC eher indirekt über chinesische händler, die mit ihren booten batavia/niederländisch indien ansteuerten, und dort den tee an die niederländer verkauften.

-die BEIC kaufte direkt in kanton/china.

durch den direkten einkauf, hatte die britische ostindien-kompanie zeitliche vorteile. sie bekam den tee in kanton früher, und konnte den tee daher auch früher in europa/england verkaufen. sie erlangte darüber dann die vorherrschaft im teehandel, den vorher lange die VOC inne hatte.

tee, silber und opium

im 18. jahrhundert begann die nachfrage nach tee in europa rapide zu steigen. um 1785 verkaufte BEIC 7 millionen kilo chinesischen tee in england! daraus ergab sich folgendes problem: tee wurde überwiegend mit silber bezahlt. china zeigte aber kaum interesse an waren, die die BEIC handelte. lediglich baumwolle aus indien wurde in grösseren mengen nach china verkauft. allerdings wurden die ehemaligen baumwollfelder in china dann für den anbau von tee genutzt, und die baumwolle wurde zu textilien veredelt, die dann auch wieder nach europa verkauft wurden. die indische baumwolle für china konnte also in keiner weise zu einem ausgeglichenen handel zwischen der BEIC und china beitragen.

daraus ergab sich, dass erhebliche mengen silber unwiderruflich aus england nach china abflossen, was in england und europa zu einer silberknappheit führte. die BEIC hatte beim chinahandel folglich das, was man heute ein aussenhandelsdefizit nennt.

um diesen eher einseitigen handel auszugleichen, kamen geschäftskluge briten nun auf folgende idee: ab dem 19. jahrhundert (genauer ab etwa 1820) wurde von der BEIC opium aus indien nach china verkauft, obwohl in china bereits seit 1729 ein handelsverbot für die droge bestand. die konsumenten wurden süchtig. die süchtigen brauchten opium, das dann auch wieder in silber bezahlt wurde.

-für tee floss silber nach china herein
-für opium floss silber aus china heraus

opium wurde allmählich immer populärer in china. die folgen für die bevölkerung waren verheerend. die süchtigen lagen (zumindest teilweise) in den opiumhöhlen, und waren kaum mehr normal arbeitsfähig. der chinesische kaiser zwang britische händler dann im märz 1839 in kanton zur herausgabe grosser mengen opium, die anschliessend verbrannt wurden.

dieser vorfall löste den ersten opiumkrieg aus (1839 - 1842), den china verlor. in folge musste china die einfuhr von opium dulden, zudem musste es sich für westliche waren öffnen.

der vorher in weiten bereichen abgeschlossene chinesische markt wurde nun mit kriegerischen mitteln geöffnet. china war durch diesen ersten opiumkrieg in einen kolonieähnlichen zustand gegenüber den briten geraten, zudem war die BEIC der weltgrösste dealer geworden. nach diesem ersten opiumkrieg war das britische aussenhandelsdefizit mit china beseitigt.

erster teeanbau in assam

allerdings blieb ein anderes problem bestehen: china war das einzige land, das tee in grösseren mengen liefern konnte. japan, der zweite teeproduzent, konnte nur rel. kleine mengen liefern, zudem hatten die niederländer hier das handelsmonopol. nur an die VOC verkaufte japan tee.

von dieser abhängigkeit beim teeeinkauf gegenüber china wollte die BEIC loskommen, zumal erschwerend dazu kam, dass seit 1833 das handelsmonopol (auch beim teehandel) für die britische ostindien-kompanie ausgelaufen war. das bedeutete, dass ab diesem jahr auch andere britische händler waren in china und ostindien einkaufen, und nach grossbritanien einführen konnten. die BEIC war dadurch zu einer normalen handelsgesellschaft geworden.

was dann passierte, klingt ein wenig wie ein märchen. die BEIC suchte nach möglichkeiten, eigenen tee in indien (oder anderen britischen kolonien) anzubauen. man entdeckte dann, dass tee im indischen assam wild wuchs. es war zwar eine andere variante, als die aus china, aber beide pflanzen sind sehr nah verwandt, lassen sich untereinander kreuzen.

man begann nun, in assam erste teegärten anzulegen, was nach schwierigkeiten in der anfangsphase schliesslich auch sehr erfolgreich gelang. 1839 kam der erste tee aus assam in london zum verkauf.

eine ausführliche beschreibung des assamischen teeanbaus findet man in zwei zusammengehörenden artikeln im tee-fokus:

-assam, die wiege der indischen teekultur
-maniram dewan – wegbereiter für den tee in indien

in der folge wurde der teeanbau von der BEIC und grossbritanien kontinuierlich weiter ausgebaut. darjeeling, nilgiri, sri-lanka, ...

ostindien wurde durch die BEIC zur grössten teeanbauregion der welt.

der niedergang der britischen ostindien-kompanie

das ende der britischen ostindien-kompanie kam zunächst schleichend. die schiere grösse der gesellschaft bereitete zunehmend organisatorische probleme. korruption war ein weiteres problem. zudem änderte sich der zeitgeist. das teilweise sehr ungerechte und brutale vorgehen der gesellschaft gegen die einheimische bevölkerung stiess auf widerstand, auch im mutterland grossbritanien.

es kam bereits seit längerem immer wieder zu kleineren aufständen in ostindien, bei denen die im dienste der gesellschaft stehenden einheimischen soldaten (meist hindus oder moslems), befehle verweigerten. dieser ungehorsam wurde von der BEIC rigoros unterdrückt, und so kam es zunächst zu keiner ausbreitung.

es waren dann papierpatronen für vorderladergewehre, die einem gerücht zu folge, mit rindertalg und schweineschmalz behandelt wurden, die den “indischen aufstand von 1857” auslösten. die patronen wurden aufgebissen, wodurch die soldaten einen verstoss gegen religiöse regeln begehen mussten. zur erinnerung: rinder sind für hindus heilig, schweine für moslems unrein.

die wirklichen probleme waren natürlich sehr viel komplizierter, können aber hier nicht im detail wiedergegeben werden.

meuternde truppen zogen nach delhi, teile der zivilbevölkerung solidarisierten sich mit den soldaten, und der aufstand nahm immer grössere ausmasse an.

es kam in der folge zu greueltaten auf beiden seiten, jedoch war auch hier die armee der BEIC wieder unangemessen grausam. der aufstand wurde niedergeschlagen, und war 1859 komplett beendet.

1858 aber kam es bereits durch ein neues gestz des britischen parlaments (“Government of India Act”) zu einer auflösung der BEIC. grund war der aufstand, das brutale vorgehen der kompanie, und der vorwurf der unangemessenen verwaltung. die territorien wurden zu kronkolonien im namen von queen victoria.

258 jahre nach de gründung, war die britische ostindien-kompanie geschichte.

 

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