blattgrade beim schwarztee: SFTGFOP – was bedeutet das eigentlich?

in diesem artikel geht es um die qualitätseinteilung von schwarzem tee, die nach blattgrössen vorgenommen wird:

-blatttee
-broken
-fannings
-dust

diese vier kategorien werden durch feineinteilungen weiter aufgeteilt, die im ausführlichen teil beschrieben werden.

die genaue herstellung von schwarztee, inclusive der aussiebung, bei der die einzelnen blattgrössen gewonnen werden, wurde bereits im tee-fokus beschrieben.

die vier blattgrössen beim schwarzen tee

anders als bei chinesischen tees, sind in den britisch beeinfußten teeanbaugebieten einteilungen in blattgrade üblich. diese einteilungen geben zumindest teilweise auskunft über die teequalität: je feiner der tee ist, der beim aussieben gewonnen wird, umso geringer ist seine qualität, und folglich auch sein marktwert.

die blattgrade teilen sich wie folgt auf:

blatt-tee ist der am vollständigsten erhaltene tee, und somit die höchste qualitätsstufe. die bezeichnung ist allerdings ein wenig irreführend, denn er enthält nur ganze blätter bis zu einer gewissen grösse. was zu gross ist, wird zerkleinert.

broken ist die nächste grösse, die keine ganzen blätter mehr enthält, sondern nur noch gebrochene, wie es der name schon andeutet. im englischen bedeutet broken soviel wie gebrochen/zerbrochen.

fannings enthält erneut feinere bestandteile als broken.

dust ist die feinste aussiebung, und somit die einfachste qualität. staub, im englischen dust, beschreibt treffend diesen blattgrad.

fannings und dust werden überwiegend in teebeuteln angeboten. auf teeplantagen wird dieser einfache tee aber auch lose (nicht in teebeuteln) als deputat an die mitarbeiter verteilt und gelangt zudem in dieser form in den handel. der indische gewürztee "masala chai" wird in indien oft daraus zubereitet.

fannings und dust haben ähnlichkeit mit dem japanischen krümeltee “konacha”. was dort geschrieben wurde, gilt auch für die feinsten aussiebungen beim schwarztee: guter ausgangstee erzeugt guten fannings und dust, auch wenn die qualität unter der des blatttees aus der selben produktion liegt.

die einzelnen, gerade beschriebenen blattgrössen, werden in weitere qualitätsstufen unterteilt, die sich aus teils langen, zunächst unverständlichen, buchstabenkombinationen zusammensetzen. wirklich schwer zu verstehen ist diese fachsprache aber nicht.

zur erklärung wird die höchste qualitätsstufe SFTGFOP gewählt:

die beiden letzten buchstaben OP oder orange pekoe bilden die kernbegriffe:

da diese beiden begriffe so wichtig sind, werden sie genauer erklärt.

orange

bei orange gibt es drei häufig genannte möglichkeiten zur erklärung des namens. keine von ihnen ist gesichert!

-die erste besagt, dass vom aromatisieren mit orangen, bzw. orangenblüten, der begriff herrührt. sie ist recht unwahscheinlich, auch wenn der name “orange” die vermutung nahe legt.

-die zweite leitet den ursprung vom niederländischen königshaus “oranje” ab: es waren niederländer, die zuerst über den seeweg tee in ihr heimatland und somit nach westeuropa brachten.* hier wird er auch vom königshaus oranje geschätzt, was vermutlich von geschäftstüchtigen niederländischen händlern genutzt wurde, um tee mit dem königlichen “oranje” zu bewerben. die briten übernahmen dann später die bezeichnung, die im englischen “orange” heißt.

-die dritte vermutet, dass der name sich von der farbe der teeblätter ableitet.

evtl. handelt es sich auch um die orange-goldenen blattspitzen, die aus dem eher schwarzen tee herrausleuchten. eine vermutung, die man auf “baike”, dem chinesischen gegenstück zur wikipedia nachlesen kann:

“The actual explanation, however, is apparently the orange-yellow coloration of the dried tea flower buds, very conspicuous among the dried leaves.” quelle

wenn man sich manche schwarztees ansieht, kann man diese letzte erklärung durchaus für plausibel halten.

golden monkey klein und scharf.jpg
schwarztee “golden monkey” mit vielen, orange-golden aussehenden blattspitzen

pekoe

pekoe stammt sicher aus dem chinesischen, allerdings gibt bei zwei unterschiedliche angaben, von wo es abgeleitet wurde:

die erste besagt, dass das ursprungswort im deutschen “weisses haar” bedeutet. im chinesischen wird das wort in etwa “pak-ho” ausgesprochen, was von den briten dann anglisiert zu pekoe wurde.

bei der zweiten angabe bedeutet das wort im deutschen “weisse blume”. im chinesischen wird es in etwa “bai hao” oder “ba hwa” gesprochen. die briten entwickelten zum teil recht phantasievolle verballhornungen, worüber sie dann zu pekoe gelangt sein könnte.

spricht man bei chinesischen grüntees von pekoe, sind die mit weissem haar überzogenen blattknospen gemeint.

beim schwarztee hat die ursprüngliche chinesische bedeutung keinen echten bezug mehr. es ist lediglich eine traditionelle qualitätsbezeichnung.

die folgenden blattgradbeschreibungen sind je nach quelle in der man liest zumindest leicht unterschiedlich. ausserdem unterscheiden sie sich teilweise in den verschiedenen anbaugebieten. das nachfolgende ist also lediglich eine mögliche beschreibung.

eine gemeinsamkeit ist, dass mit zunehmender zahl der buchstaben die qualität ansteigen sollte.

SFTGFOP wird nun buchstabe für buchstabe von hinten beginnend kurz erklärt:

P = pekoe

O = orange

F = flowery (blumig)

G = golden

T = tippy (blattspitzen)

F = finest (beste/feinste)

S = special (spezial/ausserordentlich/besonders)

genauere beschreibung:

OP wird für tee aus ceylon häufig verwendet. meist ein reiner blatt-tee.

FOP ist die einfachste teequalität aus indien. flowery bedeutet blumig. verwendet wird hier neben den beiden jüngsten blättern auch die blattknospe (nicht zu verwechseln mit blütenknospe) der teepflanze.

nun geht es mit den vorderen buchstaben weiter:

FTG: werden diese drei buchstaben vorrausgestellt, handelt es sich um einen tee mit feinsten (F) blattspitzen (T). diese blattspitzen enthalten im vergleich zum restlichen blatt noch nicht so viele polyphenole. bei der oxidation/fermentation werden polyphenole zu farbstoffen umgebaut, die dem schwarztee die farbe geben. die blattspitzen mit ihrem geringen polyphenolgehalt bleiben somit heller, was man dann als golden (G) bezeichnen könnte.

SFTG: das vorrausgestellt spezial (S) im sinne von ausserordentlich ist die letzte steigerungsmöglichkeit über buchstaben, und soll eine nochmals bessere qualität verdeutlichen.

gute FTGFOP-tees sind jedoch oft besser als durchschnittliche SFTGOP.

B = broken
kommt dieser buchstabe in die bezeichnung, handelt es sich um einen tee mit gebrochenen blatt-teilen.

beispielhaft hierzu einige abkürzungen:

BOP = broken (B) orange pekoe
F BOP = flowey (F) broken orange pekoe
GF BOP = golden (G) flowery broken orange pekoe
TGF BOP = tippy (T) golden flowery broken orange pekoe

die beiden feinsten aussiebungen werden wie folgt abgekürzt:

F = fannings
D = dust

diese tees sind in deutschland fast ausschliesslich in teebeuteln erhältlich, und die qualitätsstufen sollen daher nicht genauer erklärt werden.

* über den landweg war tee nach manchen quellen bereits einige zeit früher nach russland, und somit auch osteuropa gelangt. siehe: wie der tee nach russland kam.

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