assam, die wiege der indischen teekultur

im artikel "die alte tee-pferde-strasse von china nach indien" war beschrieben worden, wie tee in vorkolonialer zeit nach bengalen, und von dort weiter auf den indischen subkontinent transportiert wurde.

in diesem posting geht es nun um den teeanbau in indien, ehe die briten kommerzielle teegärten anlegten.

assam ist die wiege der indischen teekultur. hier wurde der erste indische tee von einheimischen bergvölkern angebaut, hier wurde der assamische teebaum von den briten für die westliche welt entdeckt, hier wurden die ersten kommerziellen teegärten indiens angelegt. ohne assam wäre tee in indien nicht das, was er heute ist: das allgegenwärtige nationalgetränk! 

der assamische teebaum und die jingpo

die teepflanze ist heimisch in indien, genauer in assam! allerdings war das ausserhalb des natürlichen habitats/vorkommens weitgehend unbekannt für lange zeit. tee wird in assam jedoch schon sehr lange geerntet, weiterverarbeitet und getrunken. bekannt ist dies von der ethnischen gruppe der “jingpo”, aber vermutlich waren sie nicht der einzige "hill tribe" (bergstamm), der den einheimischen tee nutzte.

es waren also nicht die briten, die den tee in assam entdeckten, und sie waren auch nicht die ersten, die ihn anbauten und nutzten.

der artikel unterteilt sich in zwei abschnitte:

-die teepflanze und ihre beiden varianten

-das volk der jingpo als erste teenutzer/-pflanzer in assam

 

die teepflanze und ihre beiden varianten

der lateinische name der teepflanze ist “camellia sinensis”. sie teilt sich auf in mehrere, nah verwandte varietäten/spielarten. die für teetrinker wichtigen beiden sind:

-camellia sinensis sinensis
-camellia sinensis assamica

ausführlich beschrieben wurde das bereits im tee-fokus artikel “die teepflanze”. an dieser stelle daher nur eine kurze zusammenfassung:

camellia sinensis sinensis verträgt leichten frost, wodurch sie auch in kühleren gegenden wachsen kann. sie wächst eher strauchartig niedrig (3-4m) und besitzt kleine blätter.

camellia sinensis assamica verträgt keinen frost, wächst unbeschnitten zu bäumen (15 - 20m sind keine seltenheit) und besitzt grosse blätter. um diese spieltart geht es hier im folgenden.

 

das volk der jingpo als erste teepflanzer in assam

andere bezeichnungen: singpho, kachin

das natürliche verbreitungsgebiet von camellia sin. assamica ist assam, aber auch in yunnan (china), burma (myanmar), und nagaland (indien) kommt sie u.a. vor. hier lebt auch das volk der jingpo. diese menschen und die teepflanze teilen sich also seit langem ihren lebensraum.

es überrascht daher auch nicht, dass die jingpo bereits vor der kolonisierung durch die briten tee anpflanzten. allerdings war ihr siedlungsgebiet im regenwald von assam weitgehend "unerschlossen" aus westlicher sicht. die dörfer lagen abgelegen in den bergen, zudem waren die stämme nicht unbedingt fremdenfreundlich. die jingpo blieben gerne unter sich!

rufen wir uns nochmal kurz in erinnerung, warum die karawanen von china nach indien so ungern die “kurze” route über myanmar, nagaland, assam nahmen. es waren die unberechenbaren bergstämme, die diese route unkalkulierbar und hochgradig gefährlich machten. zitat aus “die alte tee-pferde-strasse von china nach indien”:

eine zweite, seltener benutzte route, die nicht den grossen bogen über tibet machte, sondern direkter den indischen subkontinent ansteuerte, verlief aus china über myanmar, nagaland und das tal des brahmaputra. diese route war für händler jedoch aus zwei gründen weniger interessant. zum einen konnten nicht die so lukrativen pferde aus tibet auf dem rückweg mitgenommen werden. ein wichtiger finanzieller faktor entfiel also. zum anderen war dieser weg durch die einheimischen, kriegerischen bergstämme (zum beispiel naga und jingpo), ausgesprochen gefährlich. man sparte wenn alles glatt lief zwar zeit auf dem weg nach indien, wenn aber nicht alles glatt lief, endete man unter umständen als schmuck am “skull house” eines einheimischen bergstammes. ;)

der lebensraum der jingpo war also eine eher wenig von fremden aufgesuchte gegend, und das, was dort beispielsweise getrunken wurde, interessierte kaum jemanden ausserhalb der regenwälder assams.

ihr wissen um den tee blieb folglich lange unbeachtet!

das änderte sich erst anfang der 1820er jahre, als der inder maniram dewan einem schotten davon berichtete, dass die jingpo möglicherweise tee im tiefen dschungel von assam anbauen.

dieses posting ist der II. teil über die frühzeit des tees in indien.

vorrausgegangen ist: 
I: die alte tee-pferde-strasse von china nach indien

die fortsetzungen:
III. maniram dewan - wegbereiter für den tee in indien
IV: wie die inder zu teetrinkern wurden

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